George Berlstein 1929

George Berlstein wurde 1929 in Wien geboren und wuchs im 4. Wiener Gemeindebezirk auf. Im März 1939 verließ er Wien mit einem Kindertransport nach Großbritannien. Seine Eltern folgten ihm nach, wobei sein Vater auf der Isle of Man interniert wurde. Ende 1940 gelang es der Familie in die USA zu emigrieren, wo Berlstein seine Ausbildung fortsetzte und an der Yale University studierte. Nach dreijährigem Dienst bei der U.S. Air Force, wo er unter anderem auch in Korea stationiert war, arbeitete er als Anwalt. Zum Zeitpunkt des Interviews lebte Berlstein in New York City.

Vollständiges Interview

Teil 1
Teil 2
Art des Interviews:
Audio
Ort des Interviews:
New York, USA
Sprache(n) des Interviews:
Deutsch
InterviewerIn:
Paul Schober
Interviewdauer:
02:12:06
Bestand:
LBI New York
Sitzungsanzahl:
1
Datum des Interviews:
29. November 2005
George Berlstein
Weitere Vornamen:
Otto
Geburtsname:
Georg Otto Berlstein
Geburtsdatum:
11. August 1929
Geburtsort:
Wien, Österreich
Fluchtroute
1939 Wien, Deutsches Reich
1939 London, Großbritannien
1939 Surrey, Großbritannien
1940 London, Großbritannien
1940 New York City, USA
Lebensstationen
Hier sind in chronologischer Reihenfolge Orte erfasst, an denen sich die interviewte Person im Laufe ihres Lebens aufgehalten hat.
Wien, Österreich
Surrey, Großbritannien
New York City, USA
Maxwell-Gunter Air Force Base, Montgomery, Alabama, USA
Florida, USA
Marokko
Korea
Hamilton Air Force Base, San Francisco, USA
New York City, USA
Organisationen
United States Air Force Judge Advocate General's Corps (JAG Corps) - USA
American Jewish Committee - New York City, USA
Ausbildung
bis 1938
Pflichtschule
Volksschule Karolinenplatz (heute: Elisabethschule)
St. Elisabeth-Platz 8, 1040
Wien, Österreich
1939 bis 1940
Pflichtschule
The New Beacon School
Brittains Lane, Sevenoaks, Kent, TN13 2PB
Sevenoaks, Großbritannien
Pflichtschule
Public School PS-99
1120 E 10th St, Brooklyn, NY 11230
New York City, USA
Pflichtschule
Public School
Washington Heights
New York City, USA
höhere Schule
P.S. 115 Alexander Humboldt
586 West 177 Street, Manhattan, NY 10033
New York City, USA
höhere Schule
Stuyvesant High School
345 Chambers St, NY 10282
New York City, USA
ab 1946
Hochschule
Yale University
New Haven, CT 06520
New Haven, USA
Hochschule
Yale Law School
127 Wall St., CT 06511,
New Haven, USA
Beruf/Beschäftigung

in chronologischer Reihenfolge

Anwalt
USA
New York City
„Spricht über“ sind besonders interessante Passagen in den Interviews, die von der Redaktion des Austrian Heritage Archive zusammengestellt wurden.
Militärdienst des Vaters gemeinsam mit Arnold Schönberg
Via Kindertransport nach Großbritannien
Fahrt auf dem Passagierschiff RMS Cameronia nach New York
Ausbildung und beruflicher Werdegang in den USA
Wiedersehen mit Kindheitsfreund nach 50 Jahren
Civil Rights Movement und jüdisch-afroamerikanische Beziehungen
Österreichische Vergangenheitsbewältigung
Identität

Teil 1

 

 

PS: This is part one of an Austrian Heritage Collection interview with Mr. Berlstein, conducted by Paul Schober on 29th November, at Mr. Berlstein’s home. Mr. Berlstein, würden Sie vielleicht einfach mit der frühesten Kindheitserinnerung in Wien beginnen und bis heute erzählen?

 

GB: Na gut, das ist eine lange Geschichte. Ich bin in Wien geboren und in die Schule gegangen. Wir wohnten im 4. Bezirk, Belvederegasse 11, und die Schule, an die ich mich noch erinnere, das war am Karolinenplatz [heute: St.-Elisabeth-Platz], ganz in der Nähe, zwei Blocks entfernt. Wir sind…mein Vater kam von Polen…also das war damals Polen, heute ist es Ukraine, und seinen Vater habe ich nie gekannt. Er ist gestorben, bevor ich geboren bin. Aber seine Mutter – wir nannten sie immer die kleine Großmutter – wohnte in Polen, und da haben wir sie zweimal im Sommer besucht.

 

PS: Wissen Sie, wann Ihre Großmutter geboren worden ist?

 

GB: Nein, das weiß ich nicht. Ich habe einen Cousin, der das noch wissen wird, aber ich…sie ist gestorben…ich glaube, schon vor dem Anschluss. Ich glaube, ich war sechs oder so…fünf oder sechs Jahre alt, wie wir in Polen waren. Ich hatte einen Onkel dort, einen Bruder meines Vaters – Olo Berlstein. Er war ein Arzt in Deljatyn. Meine Großmutter wohnte in Kolomea [Kolomyja], hatte ein großes Haus mit einem Brunnen. Es war sehr schön, ganz interessant, und ich glaube, sie hatten Landgebiet dort. Mein Großvater war ein Anwalt in Polen.

 

PS: Waren Ihre Großeltern sehr religiös?

 

GB: Nein, gar nicht. Meines Vaters Familie war nicht religiös. Sie waren liberal, und ein Teil des Liberalismus war ein Antiklerikalismus. Sie waren jüdisch, aber nicht religiös.

 

PS: Nicht koscher--

 

GB: --nicht koscher, und sprachen polnisch zu Hause, englisch, französisch, deutsch – Deutsch war die Hauptsprache – und kein Jiddisch. Sie konnten nicht Jiddisch und konnten Jiddisch nur verstehen, weil es etwas ähnlich wie Deutsch ist. Und das war auch mein Fall. Ich hatte es erst in New York gehört, und dann habe ich es erkannt, weil es so 80 bis 70 Prozent ähnlich wie Deutsch ist.

 

PS: Wann ist Ihr Vater geboren?

 

GB: Mein Vater ist 1892 geboren und war im Gymnasium in Kolomea, in Polen, und dann kam er zur Universität in Wien und hat dort Jura studiert. Und er ist in Wien geblieben. Meine Mutter ist eine geborene Neumann. Ihre Eltern waren religiös, nicht super-duper, aber…ich weiß nicht einmal, ob sie ein koscheres Haus gehalten haben. Ich glaube nicht. Aber sie waren traditionell religiös.

 

PS: Sie sind regelmäßig in die Synagoge gegangen?

 

GB: Regelmäßig kann ich nicht sagen, aber sie sind gegangen, und sie hatten die Feste gefeiert. Ich kann mich erinnern, für Pessach sind wir zu den Eltern meiner Mutter gegangen. Die wohnten in der Porzellangasse im 9. Bezirk. Aber nach…als Hitler kam…ich weiß nicht, vielleicht sogar schon vor dem Anschluss, sagte mein Großvater: „Wie können wir eine Befreiung von Ägypten…feiern, wenn wir jetzt entweder schon unter Hitler sind oder fast?“, und so hat er deshalb nicht mehr Pessach gefeiert.

 

PS: Wissen Sie noch, was Ihre Großeltern für Berufe gehabt haben?

 

GB: Mein Großvater…das kann ich mich nicht mehr erinnern, denn das kann auch sein, dass das vor meiner Geburt war…hat ein Fleischgeschäft gehabt. [Aufnahmefehler.]

 

 

1/00:05:19

 

 

PS: Wissen Sie, wann Ihr Vater nach Wien gekommen ist?

 

GB: Wann? Naja…

 

PS: Oder was er dann in Wien studiert hat?

 

GB: Es musste vor dem Ersten Weltkrieg sein, weil er ein Einjährig-Freiwilliger war, in irgendeinem Regiment. Ich nehme an, das musste sein 1910…so etwas.

 

PS: Was hat er in Wien studiert?

 

GB: Jura.

 

PS: Und er hat dann im Ersten Weltkrieg einjährig freiwillig gedient?

 

GB: Einjährig-Freiwilliger, ja…vielleicht vor dem Krieg sogar, ich weiß es nicht genau. Ich kann mich erinnern, er war in irgendeinem Regiment. Der Regimentsführer war ein Oberst Holly, und Oberst Holly war irgendwie ein Familienfreund. Den kannte er. Und in seinem Regiment war der Komponist [Arnold] Schönberg, und mein Vater hat ihn gesehen in the toilet. Er hat die toilet gereinigt und hat ihn gefragt: „Sind Sie nicht Schönberg?“ Da sagte er: „Ja, ja.“ – „Was machen Sie denn da im Klo?“ – „Das muss ich machen.“ – „Das kann doch nicht sein.“ Und da ist er zum Oberst Holly gegangen und sagt: „Wissen Sie, Herr Oberst, wer jetzt Ihre toilets reinigt?“ – „Nein, wer ist es denn?“ – „Schönberg!“ Da sagt er: „Wer ist Schönberg?“ Und dann hat er das erklärt, und irgendwie wurde er nachher von dem Dienst befreit. So war er sehr dankbar, und ich habe ein…irgendwo habe ich es…ein Foto vom Schönberg, dass der Schönberg meinem Vater unterschrieben hat. Und diese Szene habe ich…da ist ein Enkel von Schönberg hier, und er hat ein Buch über Schönberg geschrieben. Ich habe ihm diese Geschichte einmal erzählt, und dann hat er gefragt, ob er das ins Buch tun kann, und da habe ich gesagt: „Ja, natürlich.“ Dann habe ich es gelesen, und es ist herausgekommen, und da sind zwei Seiten darüber, Gespräche, die mir nicht bekannt waren und wahrscheinlich ihm auch nicht. Die sind aus der Luft gegriffen. [Lacht.]

 

PS: Wissen Sie das genaue Geburtsdatum Ihrer Mutter?

 

GB: 1. Dezember [18]96.

 

PS: 1896?

 

GB: 1896.

 

PS: Sie ist in Wien geboren?

 

GB: In Wien geboren, ja.

 

PS: Hat sie dann auch in Wien studiert?

 

GB: Ja, ich habe noch alle ihre Zeugnisse, von, glaube ich, zweiter oder dritter Klasse.

 

PS: Haben sich Ihre Eltern schon gekannt, bevor Ihr Vater als Soldat gedient hat? Wissen Sie das noch?

 

GB: Das ist eine interessante Frage. Wahrscheinlich nicht, weil, ich bin sicher, dass mein Vater vorm Ersten Weltkrieg…nicht im Weltkrieg, er war nie an der Front, er hat nicht gekämpft. Ich nehme an, dass das vorher war, und sie haben nicht geheiratet bis [19]28, glaube ich. So war das wahrscheinlich.

 

PS: Was hat Ihre Mutter gearbeitet?

 

GB: Sie war…wie sagt man? Ich glaube, sie war…sie hat in einer Bank…ich habe da Zeugnisse, von wo sie war. Die können wir noch nachschauen.

 

PS: Herr Berlstein, Sie sind am 11. August 1929 geboren?

 

GB: Ja.

 

PS: Was sind Ihre ersten Erinnerungen an Ihr Elternhaus?

 

GB: Es war eine Wohnung im zweiten Stock. Gegenüber war eine Fabrik. Ich kann mich erinnern, da waren Lichter. Das geht so auf, eins, zwei, drei, und dann ist alles dunkel und dann wieder auf. Und im Sommer gingen wir manchmal nach, ich glaube, Baden…Baden in der Nähe von Wien. Dort war es sehr dunkel und sehr still, und das war ich nicht gewöhnt. Ich wollte diese Lichter sehen. Natürlich bin ich schon eingeschlafen, aber…und das war eine nette Wohnung. Ich kann mich erinnern, die Badewanne war in der Küche. So in der Küche, und da war ein curtain--

 

PS: --ein Vorhang--

 

GB: --ein Vorhang, und das zieht man ab, und dort war das Bad.

 

PS: Wieviel Zimmer hatte das ganze Appartement?

 

GB: Ein Esszimmer, ein living room, separiert mit Doppeltüren. Zwischen den Türen war so ein halber Meter Raum. So kann man sich da einschränken. Und mein…ich hatte einen Weihnachtsbaum. Das wurde dann geöffnet, am Abend vorher, und dann sieht man es. Und ich glaube, ich hatte ein Schlafzimmer, die Eltern ein Schlafzimmer…so fünf oder sechs…Küche, so.

 

 

1/00:11:07

 

 

PS: Haben Sie Geschwister?

 

GB: Nein, keine.

 

PS: Haben Sie Bedienstete gehabt?

 

GB: Nein, auch nicht. Mein Vater war Anwalt. Ich glaube, das letzte war bei [unklar]. Das war die österreichische Petroleumgesellschaft, und ich glaube, er ist nicht sehr reich geworden davon. Und meine Mutter arbeitete auch immer schon, so lange ich mich erinnern konnte. So, dass wenn ich in die Schule ging, war niemand zu Hause für lunch, aber ich hatte einen Freund. Seine Familie hatte zwei Geschäfte in Wien, wo sie Baumwolle verkauften. Und er hatte ein Dienstmädchen, und ich bin mit ihm nach Hause gegangen für lunch. Und er…ich sage das, bevor ich es vergesse…er hieß damals Gerhard Mandel. Er war mein bester Freund. Und nach dem Anschluss und so, ist er irgendwo, und ich bin irgendwo. Vor zehn Jahren hat ein Freund in einer jüdischen Zeitschrift jemanden gesehen, der seine Kindheit in Wien beschreibt, und sagt: „Der spricht von seinem besten Freund Georg Berlstein.“ Und so hat er gedacht: Wie viele gibt es? Und so hat er mir das geschickt, und ich lese es, und ich sehe, das bin sicher ich. Aber es wurde geschrieben von einem Professor Gershon Shaked. Also habe ich mir gedacht: Gerhard, Gershon, das kann ich mir leicht vorstellen, aber wieso Shaked? Dann habe ich gefragt, dort wo ich am Sonntag Bagels kaufe, da sprechen viele hebräisch. Da sage ich: „Was ist Shaked? Was bedeutet das in Hebräisch?“ Dann haben sie mir gesagt: „Mandel.“ [Beide lachen.] Dann war ich sicher, und ich habe ihn angerufen. Er war Professor an der Hebrew University [of Jerusalem] und ist jetzt zurückgetreten. Und dann war er visiting professor at Columbia [University]. Und ich habe ihm einen Brief geschrieben, und eine Woche später hat er mich angerufen, und dann haben wir uns hier getroffen. Wir hatten uns seit 50 Jahren nicht gesehen. Wir waren beide neun Jahre alt. Und er sagte, er würde mich auf der Straße erkennen…ich…niemals. Aber er kam mit seiner Frau, und wir sind in Kontakt seitdem. Wir haben uns schon mehrere Male gesehen, und wir rufen uns an, so ungefähr an unserem gemeinsamen Geburtstag.

 

Das war mein bester Freund, und da war auch ein zweiter…ein dritter jüdischer Bursche. Der hieß Daniel Morgenstern. Sein Vater war ein Reporter für die Neue Freie Presse und hat auch ein Buch geschrieben. Ich glaube, es hieß Der Sohn des verlorenen Sohnes. Und wir haben versucht, den Morgenstern zu finden, und der ist hier. Er ist ein professor of jazz in Rutgers University. Aber er war scheinbar nicht interessiert, diesen Kontakt aufzuhalten [meint: aufrechtzuhalten]. Wir haben es ein paarmal versucht, aber…Gershon war interessiert, weil er Briefe hatte von Joseph Roth. Ich wusste nicht, wer Joseph Roth war, bis Gershon es mir gesagt hat. [Aufnahmefehler.] …nach Schweden gebracht. Aber der Vater war in Paris und hat dort den Joseph Roth getroffen. Und ich glaube, er war dabei, wie der Joseph Roth gestorben ist. Gershon wollte die Briefe für die Hebrew University kriegen, Briefe zwischen Morgenstern und Roth. Und ich weiß nicht, ob er sie je bekommen hat. Der Sohn hatte sie hier und deshalb… [Lacht.] Und das ist auch eine Frage, die Sie wahrscheinlich fragen werden…wer meine Freunde waren. Und das waren die engsten Freunde – Gerhard mehr, Daniel auch. Ich hatte nicht…ich kann mich nicht erinnern…ich kannte andere, aber wir waren nie sehr gute Freunde. Das war immer etwas heikel, die Atmosphäre. Die Juden, wir haben nicht sehr gut im Wiener Dialekt gesprochen. Es war mehr Hochdeutsch, und die anderen haben mehr geweanert [gewienert], und ihre Lederhosen waren speckiger, und unsere waren neuer. Da war ein Unterschied.

 

 

1/00:16:08

 

 

PS: Haben Sie Ihre Freunde in der Volksschule kennengelernt?

 

GB: Ja. Wir waren alle in derselben…aber wir wohnten ganz in der Nähe voneinander. Der Mandel war, ich glaube, auch Belvederegasse gegenüber, und der Morgenstern war einen Block weiter.

 

PS: Sehr interessant, vor allem, dass sich dann Freunde wieder hier in New York treffen.

 

GB: Ja. Wir waren zusammen bei einem lunch. Ich hatte damals ein Büro, 9th und Park Avenue, und wie der Gershon hier war…er war in Kontakt mit Morgenstern. Er hat ihn erreicht, er ist gekommen, und wir haben uns hingesetzt zu einem lunch. Es war ganz komisch.

 

PS: Wissen Sie…Sie haben deutsch zu Hause gesprochen?

 

GB: Wir haben deutsch zu Hause gesprochen, ja.

 

PS: Kein Englisch oder Französisch?

 

GB: Kein Englisch oder Französisch. Mein Vater konnte Französisch, meine Mutter weniger und kein Englisch. Und manchmal…mein Vater sprach polnisch, und ich glaube, er hatte Freunde, die polnisch gesprochen haben. Aber meine Mutter versteht das nicht, und das war keine Sache. Ich kann mich erinnern, mein Vater, am Wochenende geht man zum Kahlenberg mit den knickers und Rucksack, und er, anstatt sich die…er liest den Manchester Guardian. Das war so ein Bild, an das ich mich noch erinnere.

 

PS: Am Wochenende sind Sie mit Ihren Eltern wandern gegangen?

 

GB: Ja, fast regelmäßig. Das war so eine…

 

PS: Mit den Eltern die Freizeit verbracht?

 

GB: Ja.

 

PS: Können Sie sich an Freunde von den Eltern erinnern?

 

GB: Manche, ja. Und manche haben wir noch gesehen. Ich habe sogar…ich war in Wien, ein- oder zweimal und habe alte Freunde von den Eltern besucht. Das war aber schon vor Jahren.

 

PS: Waren das--

 

GB: --Juden…alle Juden, außer ein Ehepaar. Er war Christ, und sie war jüdisch. Sie sind aber hergekommen. Semrad hießen sie. Das war sein Name, Fritzi Semrad. Und er war ein sehr netter Mann, und der Sohn ist noch irgendwo hier Architekt.

 

PS: Und die Freunde, die Sie dann später in Wien besucht haben, waren die jüdisch?

 

GB: Ja.

 

PS: Sind die später nach dem Krieg zurückgegangen?

 

GB: Das weiß ich nicht. Sind sie dort geblieben die ganze Zeit? Das weiß ich nicht…nicht klar. Wir hatten einen Nachbarn im selben Stock, wo die Wohnung war. Es war eine christliche Familie. Sie hatten eine Tochter – auch nur ein Kind, eine Tochter in meinem Alter. Mit ihr spielte ich, weil wir doch…und die waren, muss ich sagen, ganz nett. In der Kristallnacht kam die SS [Schutzstaffel] oder SA [Sturmabteilung], ich weiß es nicht, und haben gefragt, wo mein Vater ist. Und sie haben gesagt: „Nein, er ist nicht da! Er ist auf Reisen!“, oder so was. Und so hat er das irgendwie verpasst, und sie sind nie zurückgekommen, und sie haben ihn somit geschützt. Nach dem Krieg habe ich…meine Mutter hat herausgefunden, dass diese Leute noch leben. Meine Mutter ist nach Wien zurückgegangen und hat sie getroffen. Und wie ich in Wien war, habe ich sie auch getroffen. Und wir hatten uns jahrelang nicht gesehen. Sie war in Wien, die ganze Zeit, natürlich, nie geheiratet, aber hat jetzt…damals, das war schon vor zwanzig Jahren, und ich weiß nicht, was jetzt ist…führte irgendein Holzgeschäft. Das war, was sie macht und scheinbar ganz tüchtig. Zuerst hatten wir uns getroffen…ich war in einem Hotel im Zentrum von Wien…wie hieß das…gegenüber vom Mozarthaus hinter dem Stephansdom…Hotel König von Ungarn. Wir haben uns dort irgendwo getroffen. Und dann sagt sie: „Du musst uns besuchen kommen. Meine Mutter möchte dich sehen, und sie kann nicht rumgehen. Sie ist schon alt.“ Und sie hat mir gesagt, wie man geht, und das habe ich gemacht. Und da habe ich mich fast erinnert, von der Karlskirche, Mariahilfer Straße und dann links. Dann habe ich…irgendwie kam es zurück, und ich habe die Mutter besucht, und die Tochter war dort, und die Mutter hat Apfelstrudel gemacht. Es war sehr nett.

 

 

1/00:20:47

 

 

PS: Sie sind mit Ihren Eltern am Wochenende wandern gegangen, in Urlaub sind Sie nach Baden gefahren.

 

GB: Ja, irgendwo…vielleicht nicht Baden…irgendwo…Vöslau.

 

PS: Können Sie sich an andere Urlaubsorte erinnern, wo Sie mit Ihren Eltern waren? Nach Polen sind Sie ja auch gefahren.

 

GB: Nach Polen, zwei Sommer, am Wochenende in den Wienerwald…das war so de rigueur, dass man rausgehen muss…und Vöslau, glaube ich, im Sommer. Sonst kann ich mich nicht an andere Reisen erinnern. Und ich glaube, es war nichts Besonderes.

 

PS: Wie hat die Kultur zu Hause ausgeschaut? Ist viel gelesen worden? Was für Zeitungen sind gelesen worden? Wissen Sie das noch?

 

GB: Neue Freie Presse, das weiß ich, und ich glaube, der Vater hatte auch den Manchester Guardian. Ich weiß noch was. Er hatte ein Kaffeehaus, wo er hingegangen ist. Das ist eine Geschichte, die er mir…er ging zurück, schon fast am Ende des Lebens. Er wollte zurückgehen und Wien noch mal sehen. Er ging zu dem Kaffeehaus, wo er normalerweise war, und einer der Kellner, der Hauptkellner, war dort und hat ihm gesagt: „Guten Tag, Herr Berlstein“, und hat ihn zu dem…und das war ein Zeitraum von, was weiß ich, zwanzig Jahren oder so…hat ihn zu seinem Tisch gebracht und hat gesagt: „Sie müssen uns entschuldigen, wir haben nur eine Ihrer Zeitungen“, und was weiß ich was. Er hat sich an alles erinnert, als wie wenn es gestern war, von einem Tag zum anderen. Das ist eine komische Geschichte. [Lacht.]

 

PS: Haben die Eltern zu Hause Radio gehört?

 

GB: Ja.

 

PS: Auch englisches Radio?

 

GB: Das kann ich mich nicht erinnern. Es ist möglich, aber ich kann mich nicht erinnern. Und wir sind in die Oper gegangen und zu Konzerten. Ich weiß, die erste Oper, die ich gesehen habe, war Hänsel und Gretel, und ich habe Carmen gesehen. Ich war neun, wie ich weg bin, also schon in einem ziemlich jungen Alter. Man geht zu Konzerten in Wien.

 

PS: Das war Ihren Eltern sehr wichtig, dass Sie an der Kultur teilnehmen?

 

GB: Ja.

 

PS: Die Eltern Ihrer Mutter haben auch in Wien gewohnt?

 

GB: Ja.

 

PS: Was waren das für Familienmitglieder?

 

GB: Das waren viel einfachere Leute. Ich glaube, einer kam von Sillein [Žilina], das ist in Ungarn, glaube ich, und einer von der Slowakei, aber sie sind nicht in Wien geboren. Sie sind woanders geboren und kamen nach Wien. Ich habe ein Bild von ihnen. Man schaut sich das Bild an, dann sieht man, die sind sehr schöne, brave Leute. Sie hatten [Friedrich] Schiller im Haus, und manchmal habe ich mich gelangweilt, und dann habe ich Schiller gelesen. Ich kann mich noch erinnern an manche von diesen…an Die Kraniche des Ibykus. Ich hatte in dieser Zeit, als ich sieben oder acht Jahre war, nichts anderes zu tun, und da liest man Die Kraniche des Ibykus. [Aufnahmefehler.] …Pessach mit den Großeltern, da kann ich mich ein oder zwei solche erinnern…drei vielleicht.

 

PS: Wie sehr waren Sie sich darüber im Klaren, was es bedeutet, Jude zu sein, im religiösen Sinn oder--

 

GB: --eigentlich nicht. Ich wusste fast gar nichts darüber.

 

PS: Aber Sie haben ja dann doch in der Volksschule jüdische Freunde gehabt.

 

GB: Ja, aber das war--

 

PS: --einfach so, weil Sie sich mit denen besser verstanden haben? Das hat nichts mit der Religion zu tun gehabt?

 

GB: Nein, ich glaube…ich weiß nicht, ob sie…ich glaube, der Mandel war etwas religiöser. Seine Eltern kamen aus Polen, und sie waren viel…sie kamen, glaube ich, aus einem Schtetl, und sie waren religiöser, aber ich kann mich nicht erinnern, dass…es hat überhaupt keinen Eindruck auf mich gemacht. Ich wusste nicht, dass ich jüdisch war, eigentlich, bis jemand mir das gesagt hat. [Lacht.]

 

1/00:25:31

 

 

PS: Das Verhältnis zu den Nachbarn war gut, also zu denen, die am gleichen Gang gewohnt haben?

 

GB: Ja, das war ganz nett.

 

PS: Und sonst, in dem Haus, wo Sie gewohnt haben?

 

GB: Das kann ich mich nicht erinnern.

 

PS: Was war das für ein soziales Umfeld? Waren viele Juden in dem Bezirk, wo Sie waren?

 

GB: Das weiß ich nicht. Es können nicht viele Juden gewesen sein, weil, soweit ich weiß, wenigstens in unserer Klasse waren wir drei die einzigen Juden in der Klasse. Und sagen wir 30 Kinder in der Klasse, drei Juden und 27 andere. Der Lehrer, ein Herr Drechsler, der letzte Lehrer, den ich hatte, war ein sehr netter Mensch, und ich kam nach England dann. Und er hat mir geschrieben, in England, einen Brief. Ich habe den Brief noch. Er hat mir Glück gewünscht…wirklich ein sehr anständiger Mann.

 

PS: Wissen Sie noch den Namen von der Schule, wo Sie hingegangen sind?

 

GB: Das war die Hochschule [meint: high school] am Karolinenplatz. Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe vielleicht noch Zeugnisse, da könnte man das sehen.

 

PS: Sind Sie lange in die Schule hingegangen? Sind Sie zu Fuß gegangen?

 

GB: Ja, zu Fuß. Das war ganz in der Nähe. Ich glaube, die Belvederegasse ging vom…wie heißt…Prinz-Eugen-Straße rüber, zwei, drei Blocks, und dann war der Karolinenplatz, und da war schon die Schule.

 

PS: Gab es irgendeine Form von Antisemitismus in der Schule? Können Sie sich an etwas erinnern?

 

GB: Ich…es waren Bemerkungen. Ich wusste, dass…und die Staatsreligion war christlich. Ich glaube…ich weiß nicht, ob ich irgendetwas nicht mitgetan habe, weil es christlich war. Vielleicht habe ich sogar irgendeinen jüdischen Unterricht gehabt, aber ich kann mich nicht daran erinnern. Ich muss Ihnen sagen, dass mein Gedächtnis nicht sehr…

 

PS: Sie wissen wirklich noch sehr viel.

 

GB: Ja, aber sehr viel weiß ich auch nicht. Zum Beispiel, in der…nach dem Anschluss, der Gerhard, der natürlich fast genau dasselbe hatte wie ich, erinnert sich viel mehr…Details, an die ich mich nicht erinnere.

 

PS: Wie haben Sie Ihre Freizeit verbracht, mit Ihren Freunden?

 

GB: Fußballspielen im Belvedere-Park, und dann kommt man nach Hause und ist ganz schmutzig, und die Mutter sagt: „Wie kannst du so schmutzig sein?“ Und vielleicht zu den Freunden nach Hause…so was.

 

PS: Haben Sie irgendwelche Idole in Ihrer Kindheit gehabt, an die Sie sich erinnern? Oder Leute, die Sie wirklich beeindruckt haben?

 

GB: Das einzige…ich kann mich erinnern, da war ein [Matthias] Sindelar, der center forward im österreichischen Fußballteam war. Der war ein sehr guter Spieler, soweit ich mich erinnere.

 

PS: Was war Ihr Fußballklub in Wien?

 

GB: Das weiß ich nicht.

 

PS: Rapid Wien oder Austria Wien?

 

GB: Wahrscheinlich…da war ein jüdischer Klub.

 

PS: Austria?

 

GB: Austria oder Hakoah.

 

PS: Austria Wien müsste es gewesen sein.

 

GB: Wahrscheinlich.

 

PS: Sind Sie zu Spielen gegangen mit Freunden?

 

GB: Das kann ich mich nicht erinnern, dass ich je zu einem Fußballspiel gegangen bin. Vielleicht, aber ich glaube nicht. Mein Vater hat sich nicht sehr interessiert für Sport. Das war nicht seine Sache. Er war so ein Buchmensch.

 

PS: Wer hat bei Ihnen den größten Einfluss in der Erziehung gehabt? Hat es da eine Person gegeben, die Sie wirklich geprägt hat?

 

GB: Das kann ich nicht sagen. Meine Eltern haben beide gearbeitet, und sie waren sehr…sie haben mich sehr unterstützt. Sie haben mich nie gepeitscht oder etwas. Und weil die beiden Eltern arbeiteten, hatte ich schon seit jüngsten Zeiten eine Art independence. Nicht, dass ich gemacht habe, was ich will, aber es hat mich nicht sehr eingeschränkt und nicht sehr geregelt. Ich meine, ich sollte gute Noten haben in der Schule. Das war wichtig und solche Sachen. Ich bin sicher, mein Vater hat mir alle möglichen Sachen gegeben zum Lesen.

 

 

1/00:30:33

 

 

[Übergang/Schnitt.]

 

 

PS: [Gibt es einen Ort] in Wien, an den Sie sich noch ganz besonders…der Belvedere-Park wahrscheinlich…wo Sie Fußball gespielt haben? Oder sonst noch einen anderen Ort?

 

GB: Der Belvedere-Park, ja. Ich kann mich an die Karlskirche erinnern. Ich weiß nicht genau, warum. Ich war dort nachher. Ich hatte eine…mein Onkel Emil und Tante Irma, die wohnten in der Nähe von der Votivkirche, einen Block entfernt, und so kann ich mich an die Votivkirche erinnern…und an diese Straße. Die Mutter meiner eingeheirateten Tante Irma wohnte am Graben und…der Name war Kepisch. Wir mussten aus der Wohnung raus, nach dem Anschluss. Und so sind wir bei Frau Kepisch eingezogen. Sie hatte eine sehr vornehme Wohnung. Ich kann mich erinnern, wenn man vom Fenster rausschaut, dann sieht man die Pestsäule, die dort am Graben ist. Sie hatte eine alte Dienerin, Johanna, und der jüngste Sohn, Franz, wohnte mit ihr. Es waren Frau Kepisch, Franz und Johanna, und meine Mutter und ich sind dann reingekommen. Ich weiß nicht, wo mein Vater war. Ich glaube, er auch, aber das sehe ich nicht. Er wurde nicht ins Gefängnis genommen, also musste er dort gewesen sein. Die Johanna war nicht an junge Kinder gewöhnt, und hat sie immer gekeppelt. Ich habe den Sessel gebrochen, und: „Der Sessel ist schon 50 Jahre dort gewesen, und jetzt kommst du rein, und nach zwei Wochen hast du ihn gebrochen.“ Aber der Franz war auch ein sehr netter Mann, und der hat mir Karl May gegeben. Wir haben zusammen Karl May gelesen, alle Bücher, fast von Anfang bis Ende. Franz ist dann irgendwie nach Jugoslawien entkommen. Ich weiß nicht genau, wie, und hat dann mit den Partisanen gekämpft und wohnte dann am Ende in…Belgrad. Was ist die andere Hauptstadt?

 

PS: Zagreb.

 

GB: In Zagreb wohnte er, hat eine jugoslawische Frau geheiratet, und ich weiß, wir schickten Pakete mit allen möglichen Sachen, manchmal auch Geld…haben sie unterstützt. Er ist dann gestorben, und wir haben es noch immer an die Frau, die Witwe, geschickt.

 

PS: Der war älter als Sie, dieser Franz?

 

GB: Ja, er war älter als ich. Er war ein Architekt. Eine angeheiratete Cousine, mit der habe ich auch viel Zeit verbracht. Sie war auch in Vöslau, kann ich mich erinnern. Wir waren beide zusammen in Vöslau. Und wir kennen uns wie Bruder und Schwester, weil sie hat keine anderen und ich auch nicht. Und auch hier…sie hatte niemanden anderen, so war ich der nächste für sie. Die Eltern sind auch beide gestorben. Sie liegen in einem Grab neben meinen Eltern in New Jersey.

 

PS: Können Sie sich an den Ständestaat erinnern, die Machtergreifung durch [Engelbert] Dollfuß, die Kämpfe auf der Straße? Wissen Sie noch etwas aus dem Februar [19]34?

 

GB: Ich habe keine besondere Erinnerung davon. Ich war dort, aber ich weiß nicht…wo ich dieses Lied gelernt habe, kann ich auch nicht sagen.

 

PS: Können Sie das vielleicht nochmal für die Aufnahme singen?

 

GB: Ja. Ich kenne nicht alle Worte, aber es geht irgendwie so [Singt.]: „Ihr Jungen, steht [meint: schließt] die Reihen an [meint: gut], ein Toter führt uns an. Er gab für Österreich sein Blut, ein wahrer deutscher Mann. Die Mörderkugel, die ihn traf, dada dada dam dam da. Wir Jungen stehen bereit, mit Dollfuß in die neue Zeit! Wir Jungen stehen bereit, mit Dollfuß in die neue Zeit!“ [Lied der Jugend, auch Dollfußlied genannt.]

 

PS: Dankeschön!

 

GB: Bitte! [Lacht.]

 

 

1/00:35:26

 

 

PS: Wie war die Einstellung Ihrer Familie zum Ständestaat? Ihre Mutter war Sozialdemokratin?

 

GB: Mein Vater auch.

 

PS: Das heißt, sie waren da eher…wissen Sie noch, wie Ihre Eltern zur Monarchie gestanden sind?

 

GB: Sie haben nicht davon gesprochen. Ich glaube, sie waren nicht besonders dagegen. Man hat vom guten [Kaiser] Franz Joseph gesprochen, und ich wusste das und habe sein Bild gesehen. Ich glaube, ich hatte den Eindruck, dass er ziemlich beliebt war. Teilweise ist mein Eindruck sicher vom Radetzkymarsch von Joseph Roth, weil das beschreibt alle möglichen Sachen und…aber ich kann mich erinnern, das war so.

 

PS: Zum Ständestaat wissen Sie nicht mehr, ob Ihre Eltern politisch…oder waren Ihre Eltern überhaupt politisch aktiv…in der Partei?

 

GB: Es war…meine Mutter, glaube ich, wo sie jung war, ist sie mit auf Ausflüge gegangen mit, ich glaube, sozialdemokratischen Gruppen. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass etwas Besonders gemacht wurde, wie ich dort war. Mein Vater war sehr interessiert an Politik und wusste sehr und hat sehr viel gelesen. Er hat schon die Gefahr von Hitler ziemlich zeitlich gesehen, und dann gab es große Debatten zwischen ihm und meinem Onkel und so weiter. Er hatte auch einen Freund, kann ich mich erinnern…Sie hatten über Freunde gefragt…auch einen Anwalt namens Wenkart. Und das waren alte Freunde, und die Wenkarts hatten zwei Töchter. Eine Tochter war genau in meinem Alter, Henni…ich kann mich erinnern. Und die waren scheinbar etwas reicher und hatten schöne Partys gehabt, Geburtstagspartys. Ich kann mich erinnern, ich war zu Hennis viertem oder fünftem Geburtstag, und die ist auch jetzt hergekommen, die ganze Familie. Sie wohnen in Providence seit einiger Zeit. Der Vater war auch Anwalt, aber wurde dann ein accountant in Providence, und die Tochter, wir kennen uns immer noch, und die wohnt jetzt in New York.

 

PS: Wie war die Einstellung Ihrer Eltern zum Zionismus?

 

GB: Nicht besonders interessiert. Ich kann nicht sagen, dass sie unbedingt gegen Zionismus waren. Gerhard Mandels Eltern waren große Zionisten. Deshalb ist er auch nach Israel gekommen…aber allein. Das war eine ganz schreckliche Geschichte…nicht schrecklich, aber er ist allein durch Griechenland und dann auf einem Schiff, und jemand sollte ihn in Tel Aviv treffen. Er war neun Jahre alt, ist angekommen, und niemand war da, und jemand hat ihn…eingenommen. Aber seine Eltern…das war eine viel größere Sache für die Mandels.

 

PS: Waren Sie bei irgendwelchen politischen Jugendgruppen?

 

GB: Nein. Jetzt, in Amerika, ja, aber nicht in Österreich.

 

PS: Hier in Amerika waren sie bei was für--

 

GB: --ich war ganz aktiv mit der Democratic Party in Queens, Reform Clubs und wurde President of the Queens Reform Clubs…damals. Wir hatten jemand, der…ich sollte als city councilman in einen contest eingereiht werden, aber da arbeitete ich für eine Kanzlei, und der senior partner hat gesagt, ich muss wählen, ob ich Politiker oder Anwalt sein will, weil ich zu viel Zeit…da war zum Beispiel die [John F.] Kennedy election, und da war ich sehr aktiv, fast jeden Tag irgendwo. Und so konnte ich das nicht machen. Aber wir hatten einen schönen, jungen Intelligenten, der gerade dort war, Ed[ward L.] Sadowsky, und wir haben gesagt, er wird das machen. Das war das Jahr…das war glaube ich [19]51, wo der Mayor [Robert F.] Wagner auf der reform line war. Und er hat alles mitgebracht. Alle Reformen, die in diesem Jahr waren, wurden gewählt. Sadowsky war dann city councilman für 24 Jahre, und mit dem haben wir heute Nacht Abendessen zusammen.

 

 

1/00:40:49

 

 

PS: Wissen Sie noch die Reaktion von Ihren Eltern auf den Nazi-Aufschwung in Deutschland 1933?

 

GB: Ich weiß, mein Vater hat das als große Gefahr gesehen und hat sich schon große Sorgen gemacht, war sehr dagegen. Mein Onkel glaubte, dass das etwas ist, das kann nie passieren. Und auch nach dem Anschluss hat er…das waren die großen Debatten zwischen meinem Vater und Emil. Mein Vater hat gesagt, wir müssen raus, je schneller desto besser. Das wurde…nicht bis nach der Kristallnacht hat Emil verstanden, dass es wirklich--

 

PS: --dass es gefährlich ist--

 

GB: --sehr gefährlich, und man musste raus, so schnell wie möglich. Aber dann hat er es auch versucht. Die hatten keine Kinder, mein Onkel und meine Tante, aber sie hatten eine Katze, Muschi, und einen Wellensittich, Maxi. Und Maxi hat gelernt…wenn man reinkommt, sagt der Maxi: „Hast du schon ein Visa?“ [Lacht.]

 

PS: Haben Sie deutsche Bekannte gehabt zu der Zeit?

 

GB: Nein, nicht damals. Wir hatten deutsche Bekannte hier in New York, aber damals…soweit ich weiß, kann ich mich nicht an deutsche Bekannte erinnern.

 

PS: Können Sie sich an Antisemitismus vor dem Anschluss erinnern? Haben Ihre Eltern etwas erzählt, oder ist Ihnen auf der Straße etwas passiert?

 

GB: Ja, da waren…mein Gedächtnis ist besonders schlecht bei schlechten Sachen. Je schlechter die Sache ist, desto weniger erinnere ich mich daran. Ich habe so einen Eindruck, dass da…jemand sagt: „Saujud“…oder man kann clubbed werden. Aber ich habe keine Details. Ich kann mich nicht an etwas Genaues erinnern, aber man hatte doch das Gefühl, dass man nicht unbedingt beliebt war. Das ist von Fipps, der Affe…kennen Sie das, von Wilhelm Busch? Da sagt er: „‚Wer glaubt [meint: Mir scheint], ich bin hier unbeliebt‘, sagt Fipps, als er sich wegbegibt [meint: Denkt Fipps, der sich hinwegbegibt].“ [Lacht.]

 

PS: Können Sie sich an den Einzug Hitlers auf der Mariahilfer Straße oder an die Heldenplatz-Ansprache erinnern?

 

GB: Ja, ich kann mich erinnern. Ich glaube, er kam…war es Mariahilfer Straße oder Schwarz--

 

PS: --über den Westbahnhof, glaube ich, ist er über die Mariahilfer Straße--

 

GB: --und er wohnte dann im Hotel Imperial. Da war ich dort. Irgendwie habe ich mich…ich weiß nicht, ob ich das alleine gemacht habe. Ich habe gesehen, alle Leute schreien, und da waren alle diese banners, rot-weiß mit dem Hakenkreuz. An das kann ich mich schon erinnern. Ich kann mich auch erinnern, dass ich gesehen habe, dass die SA oder auch manchmal ohne Uniform irgendwelche Juden…dass sie die--

 

PS: --Straßen putzen--

 

GB: --Straßen putzen, mit einer brush und so. Das kann ich mich erinnern, dass ich so was gesehen habe.

 

PS: Waren Sie bei der Ansprache am Heldenplatz dabei?

 

GB: Ich glaube, ich war dabei. Ich weiß nicht, ob allein oder mit meinen Eltern, aber ich kann mich erinnern, dass…ich glaube, ich habe es gesehen. Erinnerung ist etwas sehr Komisches. Manchmal glaubt man ganz gewiss, dass man etwas gesehen hat, was nicht der Fall ist. Ich glaube, ich habe es gesehen.

 

PS: Wie war die Reaktion von Ihren Freunden? Sie waren noch in der Schule zu der Zeit. Können Sie sich erinnern, dass in der Schule ein Umbruch war, dass Sie vielleicht mehr gehänselt wurden?

 

GB: Oh ja! Die Lehrer haben Hakenkreuze gehabt – nicht alle, aber viele – und die Kinder auch. Ja, man hat es bemerkt, dass es eine große Veränderung war. Man hatte den Eindruck, dass diese Gefühle sich befreit haben.

 

PS: Was zuerst im Verstecken drinnen war, ist ausgebrochen?

 

GB: Ja. Ich sage das, weil ich hatte ein…wie sagt man…ein kleines Argument mit dem früheren Außenminister Österreichs, Alois…Alois [Mock] etwas. Er kam und sprach…ich bin und war damals aktiv im American Jewish Committee. Und er kam zur Zeit, wo immer die general assembly sich öffnet, und da kamen alle möglichen Leute. Er kam und sprach zu zwanzig oder so von uns, und er hat die österreichische Linie behauptet, dass die Österreicher die ersten Opfer Hitlers waren. Ich habe ihm gesagt: „Ich weiß nichts über Opfer, aber ich kann Ihnen sagen, dass meine Beobachtung war, dass Hitler mit großem Jubel und großer Freude akzeptiert worden war.“ Und er sagte: „Ja, aber da war ein…“ Er hat mir zitiert, irgendeine…wie sagt man…eine Studie, dass nur so und soviel Prozent dafür waren. Ich habe gesagt: „Das kann ich Ihnen nicht bestreiten. Ich kann nur sagen, was ich beobachtet habe. Und es schien mir, dass eine große Mehrheit der Leute…dass das eine große Sache war.“

 

PS: Sie waren schon sehr willig.

 

GB: Ja, genau.

 

 

1/00:47:14

 

 

PS: Wissen Sie, wann das war, dieses Gespräch mit dem Außenminister? In welchem Jahr circa? Es hat sich dieser Glauben sehr lange gehalten.

 

GB: Ja. Das war…

 

PS: 1960er, 1970er, 1980er?

 

GB: Nein, es muss vor…nicht so lange. Das heißt, wir sind erst seit fünfzehn Jahren in New York…etwas mehr als fünfzehn. Und das war nach dem, weil wir schon hier wohnten. Das war vor, sagen wir, zwölf, dreizehn Jahren. Und ich habe auch gesagt: „Ich weiß, dass das die Linie der Regierung ist. Aber Sie sollen wissen…“, und er hat auch gesagt…ich kann mich erinnern, das war, wo [Kurt] Waldheim hier war. Er war schon weg von hier und wurde Präsident von Österreich. Da war ein großer Krach darüber, und dieser Alois…auf jeden Fall, er sagte: „Man hat nicht bewiesen, dass er je etwas Kriminelles gemacht hat.“ So habe ich ihm gesagt: „Wissen Sie, Herr Minister, ich glaube, dass der Präsident von Österreich einen etwas höheren Standard haben sollte, als dass er nicht kriminell war. Und zweitens, ich glaube, Sie sollten das Beispiel von Deutschland nehmen. Die Deutschen, die sicher auch sehr viel zu bereuen haben, haben gesagt, wir haben einen Fehler gemacht, einen großen Fehler, wir entschuldigen uns, wir unterstützen Israel, wir machen, was wir können. Das ist viel akzeptabler als die Position, die Sie als Österreicher jetzt genommen [meint: eingenommen] haben. Ich sage das nur, damit Sie wissen sollen, dass die Linie, die Sie nehmen [meint: einnehmen]…man glaubt es nicht, und es bringt mehr Schaden als Gutes.“ Und ich hatte doch auch verschiedene österreichische Konsuls hier gekannt. Den jetzigen habe ich noch nicht getroffen. Den früheren habe ich gekannt, und vorher war Otto Greiner, mit dem war ich sehr gut befreundet – auch mit seiner Frau –, sodass wir dann schon…zur Zeit, wie das Jüdische Museum in Wien eröffnet hat, hatten wir eine gemeinsame Feier hier. Das American Jewish Committee und das Österreichische Konsulat haben das gemeinsam gemacht, sodass man wirklich eine Änderung gesehen hat.

 

 

1/00:50:30

 

 

PS: Können Sie sich an die Reichskristallnacht erinnern?

 

GB: Ich erinnere mich nur, dass mein Vater irgendwo anders war…nicht zu Hause. Er war wirklich nicht zu Hause. Er war irgendwo zu Besuch, und ich glaube, man sagte ihm… [Aufnahmefehler.] …habe ich nein gesagt. Und dann sind sie zum Nachbarn gegangen, und die Nachbarn haben bestätigt, dass er nicht da ist. Das Einzige, was ich mich erinnern kann…ich glaube, den Vater vom Mandel haben sie mitgenommen. Er war irgendwo in einem Lager, aber nur zwei Monate. Nach zwei Monaten ist er wieder befreit worden.

 

PS: Können Sie sich an die Angst erinnern, die Sie gehabt haben?

 

GB: Ich nicht. Der Mandel kann sich genau erinnern, weil er kann sich erinnern, er war allein zu Hause. Und die klopfen an die Tür, und er hat versucht, sich unter einem Tisch zu verstecken. Aber sie haben ihn gefunden, und da hat jemand ihn gepackt und so getan, als würde er ihn aus dem Fenster schmeißen. Er hat es nicht getan, aber er kann sich genau erinnern. Sicher habe ich mich gefürchtet, aber ob ich mich an das erinnere, das kann ich nicht sagen.

 

PS: Ist Eigentum bei Ihnen in dieser Nacht gestohlen worden?

 

GB: Nein, sie sind nur gekommen, haben geklopft und nichts genommen.

 

PS: Können Sie sich an das Zerstören von Geschäften auf den Straßen erinnern?

 

GB: Ja, dass man es in der Zeit nachher gesehen hat…gebrochene Fenster und ‚Jude‘ und alles beschmiert und so, das kann ich mich erinnern. [Aufnahmefehler.] Und leider kann ich meine Mutter nicht mehr fragen, weil sie gestorben ist.

 

PS: Und Sie sind dann zu dieser Tante an den Graben gezogen?

 

GB: Ja.

 

PS: Wissen Sie, ob Freunde von Ihren Eltern oder Eltern von Freunden oder Schulkollegen bei der Reichskristallnacht…haben Sie die gesehen oder, dass die dann auf einmal einen rasanten Aufstieg gehabt haben, weil sie bei der Partei dabei waren?

 

GB: Nein, das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, was mit verschiedenen Freunden von meinen Eltern passiert ist. Ich weiß nicht, was mit Morgenstern war. Ich weiß, dass der Mandel genommen wurde. Ich weiß nichts über Morgenstern…der vielleicht auch…ich glaube.

 

PS: Wer hat bei Ihnen in der Familie die Entscheidung getroffen, wir müssen raus?

 

GB: Mein Vater.

 

PS: Ihre Mutter war dafür?

 

GB: Ja, mein Vater hat sie überzeugt. Sie war nicht auf der Seite ihres Bruders, aber die Argumente waren sehr erhitzt.

 

PS: Ihr Bruder hat auch nach der Reichskristallnacht noch gesagt, das ist nicht so schlimm?

 

GB: Vielleicht nicht nachher. Nachher hat er schon akzeptiert, dass man raus muss. Aber vorher waren das große…er war in der österreichischen Armee im Ersten Weltkrieg und wurde an der russischen Front gefangen genommen und nach Sibirien geschickt. Er ist aus dem Gefangenenlager 1917 entkommen, wie die Kommunisten, die Bolschewiken, kamen, und ist dann mit einem Freund, Ritter von soundso, durch Russland gegangen, gewandert, geritten, was weiß ich was…und ist erst ein Jahr nach dem Frieden, also 1919, nach Wien zurück. Und damals hatte mein Großvater – das weiß ich nur durch Erzählungen – das Fleischgeschäft, und Emil kam in seiner…ich glaube, er hatte die Uniform nicht mehr und war schon dreimal umgekleidet in allen möglichen Sachen. Meine Mutter war unten und er sagte: „Geh’ da raus und mach’ die Eltern bereit. Ich will da nicht plötzlich erscheinen und, dass sie einen Herzinfarkt kriegen.“ Und so kam er zurück, ein Jahr später. Und weil er ein österreichischer Patriot war, weil er in der Armee war, hat er geglaubt, das wird berücksichtigt und das wird doch weggehen. Er hat es nie ganz geglaubt, bis es nicht mehr möglich war, es nicht zu glauben.

 

PS: Waren Ihre Eltern auch starke Patrioten?

 

GB: Nein, nicht…ich meine, mein Vater war immer interessiert an polnischer Kultur und hat…ich meine, von ihm wusste ich über…was weiß ich…von Pan Tadeusz und alle möglichen Sachen. Aber war…das hat man akzeptiert, und er war nicht besonders österreichisch…mehr vielleicht zum Kaiser, weil das alles zusammen war in den alten Zeiten, und so weiter. Nein, mein Vater war ein Realist und wusste, was passiert, und meine Mutter hat es akzeptiert. Ich kann mich erinnern, man suchte natürlich immer ein Visa, und das war schwer.

 

 

1/00:56:06

 

 

Das Einzige: Einmal kam mein Vater nach Hause…ob vor oder nach der Kristallnacht, weiß ich nicht mehr…vielleicht davor, aber ich weiß es nicht. Er hatte Schiffskarten nach Shanghai und sagte: „So können wir rauskommen. Mit dem brauchen wir kein Visa in Shanghai. Wir brauchen nur die Schiffskarten.“ Und meine Mutter sagte: „Ich gehe nicht nach Shanghai. Das mache ich nicht. Tut mir leid. Du kannst gehen, aber ich gehe nicht nach Shanghai.“ Da hat der Vater gesagt: „Was soll ich machen? Ich habe schon die Karten gekauft.“ Da sagte sie: „Gib sie jemand anderem.“ – „Wem soll ich sie geben?“ Er hatte einen Freund, Neudorfer…das ist nicht der richtige Name…so was. Und meine Mutter sagte: „Er war mit den jungen Kommunisten, und er wird nie ein Visa kriegen. Gib ihm die Karten.“ Und das hat er gemacht, und…Rathauser! Rathauser ging nach Shanghai und ist dort an irgendeiner Krankheit gestorben…später.

 

PS: Können Sie sich noch erinnern, was das für ein Aufwand war, die Visa zu bekommen? Wer hat sich von Ihnen darum gekümmert, der Vater oder die Mutter?

 

GB: Beide! Beide haben sich darum gekümmert, und am Ende…was passiert war, ist, dass meine Mutter irgendwie beim englischen Konsulat organisiert, dass…mein Vater auch…beide, glaube ich…dass ich auf einem Kindertransport rauskomme. Das wurde arrangiert – und damals lebten wir schon am Graben, kann ich mich erinnern – und ich sollte im Februar…ich glaube, da war ein…jedes Monat. Ich sollte im Februar [1939], in der Februarreise, mitgehen, aber da wurde ich krank. Ich hatte eine Temperatur, und man sagte, ich sollte nicht gehen. Ich wollte aber gehen, und so habe ich versucht, das Thermometer runterzuschütteln, aber meine Mutter hat das…you could not fool her. Und so musste ich bis März warten, und im März bin ich dann weg.

 

PS: Allein mit einem Kindertransport?

 

GB: Mit einem Kindertransport, ja.

 

PS: Ihre Eltern haben keine Visa bekommen?

 

GB: Nein, da komme ich dazu. Meine Mutter kam dann nach England. Ich glaube, alles wurde irgendwie über das englische Konsulat gemacht. Sie kam als Köchin im Mai. Das war [19]39. Und mein Vater kam im Juni…separat, aber beide nach England. Meine Mutter arbeitete als Köchin, nicht allzu weit, von wo ich war, und ich sah sie einmal im Monat oder so. Mein Vater wurde auf der Isle of Man interniert, und ich habe ihn vielleicht zweimal gesehen während meinem Aufenthalt in England. Meine Mutter und ich waren auf der österreichischen Quote, weil wir beide in Österreich geboren waren. Wir hatten dann Affidavits gekriegt, von weiten Verwandten in Amerika, und im, ich glaube, Oktober, November [1940] sind wir, meine Mutter und ich…wir mussten erst nach London, um die notwendigen Sachen zu erledigen. Und, ich glaube, Ende August hat der Blitz gestartet, in London. So sind wir hier und da ein bisschen gebombt worden. Und mein Vater ist dann erst ein oder zwei Monate später…ich glaube, es war Dezember oder Jänner, dass er auch nach Amerika kam. In zwei, drei Monaten waren wir alle in New York.

 

Ende von Teil 1.

 

 

Teil 2

 

 

GB: …und er war in advertising, ein sehr netter Mann mit seiner Frau. Und wir haben alles mit Zeichen gemacht. Sie haben kein Deutsch gesprochen. Aber es war klar, dass ich zu einer Schule gehen sollte, New Beacon School in Sevenoaks [Kent]. Da musste ich erst alle die Uniformen kaufen. Man brachte mich zu einem Geschäft, Robinson’s, und…alles: weiße Krickethosen und grey flanels und so ein kleines Käppele, blau mit einem fünfeckigen roten Stern, und rot-und-blaue Rugbyshirts und blaue Hemden und schwarze Krawatten und alle möglichen Sachen. Ich habe nie so eine Masse von Kleidern gesehen. Und die waren sehr nett. Und dann sind wir, glaube ich, zu ihren Eltern gegangen. Die wohnten irgendwo in Surrey und ich weiß, die hießen Barnett und hatten no central heating. Die einzige Hitze kam vom fireplace, und da steht man davor, und wenn die vordere Hälfte des Körpers gewärmt ist und die hintere Hälfte ist noch kalt, dann dreht man sich um. Die Leute waren sehr nett, und ich glaube, ich habe ein bisschen Klavier gespielt, weil ich nichts anderes sagen konnte. Aber die waren sehr nett, und dann wurde ich nach einigen Tagen zu der Schule gebracht. Das war eine typische, englische Schule. Da bleibt man vom zehnten bis vierzehnten Jahr, und da wird sehr viel gelernt: Griechisch, Latein, Französisch, geometry, algebra. Es war ein anderer deutsch sprechender Bub dort. Er war etwas älter, sein Name war Ulrich. Und da waren auch zwei Buben aus der Tschechei, die Petscheks, und in dieser Schule wird man nur mit dem letzten Namen gerufen. Der erste Name, der Vorname, wird fast nie benutzt. Wenn es zwei gibt, dann ist der ältere eins und der jüngere zwei. So war es: „Petschek one, Petschek two!“ Und dann waren auch zwei Lobkowitz, one and two. Und so haben wir alles…in der Schule, das war sehr nett. Die Leute waren ganz typisch, und wenn etwas sehr schlimm ist, dann kommt der headmaster mit so einem…wie sagt man?

 

PS: Mit einer Rute?

 

GB: Mit einer Rute, und dann musste man sich beugen und die…trousers…die--

 

PS: --die Hosen--

 

GB: --die Hosen musste jeder sehen, wie das ausschaut, aber alles war ziemlich fair, und Sport ist eine große Sache in den englischen Schulen. Jeder spielt etwas, ganz egal, wenn man nicht gut genug ist für die ersten elf im Fußball, dann die zweiten elf oder die dritten, aber jeder muss alles machen. Und schwimmen und boxen und Kricket spielen und…in der Früh geht man zu den services, und wie ich schon sagte, der headmaster rief meine Mutter an, ob sie etwas dagegen hat, dass ich auch dabei bin. Und sie hatte nichts dagegen. Das war eine sehr männliche Sache. Man singt Onward, Christian Soldiers und solche Sachen. Es war nicht sehr viel Religion, aber es hat mich nicht besonders hier oder da gestört. Ich hatte eine…irgendwie glaube ich, hatte ich eine Markensammlung… [Es klingelt an der Tür.] Entschuldigung.

 

 

2/00:04:29

 

 

[Übergang/Schnitt.]

 

 

So, wo waren wir?

 

PS: Sie haben eine Briefmarkensammlung gehabt.

 

GB: Ich hatte einen Bruder meiner Mutter, der entweder während dem Krieg oder ein Jahr später gestorben ist, und er hat eine Markensammlung gehabt. Ich weiß nicht, ob ich die mitgebracht habe oder ob das später nach Amerika kam. Ich glaube, ich habe es mitgebracht. Und so habe ich weiter gesammelt, besonders englische Kolonien. Und man sammelt auch…jedes englische Schiff hat ein eigenes stationary. Man sammelt das dann. HMS Ajax war ein destroyer und HMS Nelson war ein battleship, und das sammelt man und dann…die Buben…einer ist mehr wert als ein anderer, und so konnte man die Schiffe erlernen. Das ist auch etwas. Was noch? Ja, dann der Krieg…ich kann mich erinnern, dass im September [19]39 der Krieg angefangen hat. Ich habe das erst gehört…am Sonntag war ich…zwischen den terms, wo die Schule aus war, lebte ich mit einem British reverend. Er hatte einen Sohn in meinem Alter, und am Sonntag hatte er gepredigt. Er war ein Pastor. Und ich habe über den Krieg gehört, damals, am Sonntag. Das war ein Sonntag und, was weiß ich, um elf Uhr, hat er gesagt, der Krieg wurde erklärt. Und dann, nach einiger Zeit, sieht man die aeroplanes, und dann hat man gelernt, wie die deutschen aeroplanes ausschauen, die Silhouetten und englischen Spitfires und die Hawker Hurricanes und die Junkers und die Heinkel. Wir wussten das alles. Wir konnten das alles ganz genau…und manchmal, später, waren dann auch so Kämpfe, Luftkämpfe, die man beobachten konnte. Und man wurde trainiert für den Fall, dass irgendein Feuer kommt, dass wir mit einer Pumpe das ausmachen können. Das war aber eine ganz kleine…Wasserstrom. Wenn ich darüber jetzt nachdenke, kann ich mir nicht vorstellen, dass das überhaupt etwas bringt. Aber wir waren irgendwie involviert in diese ganze Sache. Und die Engländer hatten damals auch Lieder, die sie singen. We're Going Hang out the Washing on the Siegfried Line war eines und so weiter…solche Sachen.

 

PS: Was war mit Ihrer Familie? Ihre Familie war in Österreich. Sie sind alleine nach England gekommen?

 

GB: Ja, das war im März. Und meine Mutter ist im Mai, auch nach England, als Köchin. Sie arbeitete für eine Familie, eine Dame, ungefähr 40 oder 50 Meilen, von wo ich in der Schule war. Und ich habe sie einmal im Monat vielleicht gesehen. Sie kam zu Besuch, die lady of the house gab ihr frei. Und meine Mutter ist jetzt gestorben, aber ich habe sie sehr gern gehabt, und sie hatte sehr viele gute Qualitäten. Eine Qualität, die sie nicht gehabt hat, war als Köchin. Mein Vater und ich haben uns immer einen Spaß gemacht, nachher, dass nur die Engländer meine Mutter als Köchin hätten engagieren können. [Lacht.] Sie beschreibt ja auch, wie das geht, und sie sagte, dass die Frau ein Buch hat, und jedes Rezept hat eine Nummer und vor dem Abendessen oder am Anfang des Tages sagte sie, “Today, we will have 35.” Und meine Mutter sagte: „Machen wir 35!“ Und scheinbar haben sie so ihr Kochen akzeptiert.

 

Mein Vater kam im Juni [19]39 nach England und wurde auf der Isle of Man interniert. Scheinbar haben sich die Engländer gefürchtet, dass da unter diesen refugees deutsche Spione sein könnten. Und so haben sie die Männer interniert…die Frauen nicht. Scheinbar glaubten sie, dass die Frauen nicht Spione sein konnten, nur war das nicht sehr gentleman, dass man so was macht. Auf jeden Fall, er hatte sich nicht…ich habe ihn nur zwei- oder dreimal gesehen. Ich kann mich erinnern, einmal kam er zu Besuch, zur Schule. Und mein Vater, als geborener Pole, ist groß mit dem Küssen und Umarmen. Und in England ist das etwas…nicht gemacht. Und ich wusste, dass…er war dort, und hat mich geküsst, und ich bin ganz steif gestanden und habe rumgeschaut, wer das sieht. Ich soll mich drüber schämen. Aber sonst--

 

PS: --die andere Familie…andere Familienmitglieder sind in Österreich geblieben?

 

GB: Wir hatten keine sehr große Familie. Meine Mutter hatte zwei Eltern, meine Großeltern. Die kamen beide nach Theresienstadt, wo sie beide starben. Einer, ich glaube, mein Großvater, durch Krankheit und meine Großmutter ermordet.

 

 

2/00:10:26

 

 

PS: Und Ihr Onkel Emil?

 

GB: Onkel Emil und Tante Irma kamen auch her, aber über Italien. Er war in Italien, in Milan, und dort wurden die Männer auch irgendwie interniert. Er war in Campagna. Und die italienische Internierung schien nicht sehr streng zu sein. Es war am Land, und die hatten Eier jeden Tag fürs Frühstück. Es schien nicht schlimm zu sein. Ich habe ein Journal, das mein uncle damals geführt hat, das ich übergeben kann. Das können Sie anschauen. Und er ist dann über Lisbon nach Amerika gekommen…fast zur selben Zeit wie wir, vielleicht ein oder zwei Monate später. Und wir haben dann endlich zusammengewohnt, in Washington Heights.

 

PS: In welchem Jahr sind Sie nach Amerika gekommen, nach New York?

 

GB: Nach New York 1940…ich glaube, auf einem Schiff namens SS Cameronia [meint: RMS Cameronia], und das war entweder Oktober oder November 1940. Meine Mutter mussten nach London gehen, um die notwendigen Unterlagen anzufertigen und vorzubereiten, und der Blitz hat angefangen im August, so, dass wir diese paar Monate unter bombardment waren. Und das war am Anfang ganz unangenehm, aber, es ist komisch, man gewöhnt sich an fast alles. Man hat so einen shelter…das war so eine corrugated Eisensache und six inches of dirt. Es ist gegen Schrapnell hauptsächlich, und wenn eine Bombe da drauf landet, dann ist man weg. Aber man hörte die sirens, und dann wusste man, dass es eine Attacke ist. Dann geht man runter, und es ist schwer zu schlafen, aber wenn man klein ist, dann kann man immer wo schlafen. Es waren Bänke dort. Und manchmal hat man schon genug gehabt, und dann sagt man: „Wir gehen heute nicht. To hell with it!“ [Lacht.] Und wir blieben im Bett.

 

 

[Übergang/Schnitt.]

 

 

Das Schiff war ganz nett. Das war ein…nicht ein Passagierschiff, das war hauptsächlich ein freighter, aber da konnte man ein paar Passagiere mitnehmen. Und das ging mit einem Konvoi im Nordatlantik, mit einem…ein Schiff hatte eine Kanone, und zwei oder drei hatten depth charges, weil man sich Sorgen machte über U-Boot-Attacken. Und ich glaube, dass dieses Schiff beim nächsten crossing gesunken wurde, von einem U-Boot…die Cameronia…so habe ich es gehört.

 

PS: Sie sind in New York angekommen. Gibt es irgendwie so einen magischen Moment, die Freiheitsstatue taucht auf?

 

GB: Ja, es war…wenn man bedenkt, was man alles gemacht hat, getan hat, gebombt wurde, und dann kommt man nach New York, und man sieht die Statue of Liberty…wenn ich daran denke, werde ich immer noch ganz emotional, weil das wirklich etwas ganz Besonderes war. Dann wohnten wir zwei Tage mit einem Verwandten in der Bronx, aber irgendwie ging das nicht, und dann sind wir zu Verwandten in Brooklyn gegangen…East 14th Street.

 

PS: Was waren Ihre ersten Eindrücke von Manhattan, wie Sie als Zehnjähriger…oder wie alt waren Sie genau?

 

GB: Elf.

 

PS: Was waren Ihre ersten Eindrücke, wie Sie durch die riesige Stadt gegangen sind, mit Ihren Eltern?

 

GB: Ich kann mich nicht erinnern, wie wir da vom Schiff zur Bronx gekommen sind. Ob wir ein Auto gefahren sind oder mit einer subway…ich kann mich nicht mehr erinnern. Es war etwas überwältigend. Ich meine, erstens einmal ist man irgendwie müde, man hat nicht genug geschlafen und so viel Lärm und so viele Leute. In London hat es auch viele Leute gegeben, aber es war etwas überwältigend. Aber in Brooklyn war es viel…nicht so viele große Gebäude, viel kleiner. Das war ein zweistöckiges Haus, wo die Verwandten wohnten. Ich musste in einem Bett schlafen mit einem älteren Verwandten…nicht viel älteren. Diese Familie hieß Moros, irgendwelche Verwandte meiner Mutter. Die eine Tochter hatte einen Italiener geheiratet, DiMarco. So war das so ein…schon immer…und in New York sieht man alle diese Mischungen. Das ist das Interessante in New York.

 

 

2/00:16:10

 

 

PS: Sind Sie begrüßt worden, wie Sie in New York angekommen sind? Hat Sie jemand abgeholt, Familie oder Freunde?

 

GB: Ich glaube nicht. Ich glaube, dass wir…man wusste nicht genau, wann das Schiff ankommt, und es war sehr schwer, Kontakte zu machen und das alles zu arrangieren. Ich glaube, wir haben ein Taxi genommen, vom Schiff zu den Verwandten in der Bronx. Von der Bronx nach Brooklyn hat uns jemand mit dem Auto gebracht.

 

PS: Wissen Sie noch, wie Ihre Eltern reagiert haben, als Sie in New York angekommen sind?

 

GB: Es war nur meine Mutter, weil mein Vater kam später. Meine Mutter und ich waren auf der österreichischen quota, und mein Vater auf der polnischen, und so kam er ungefähr zwei Monate später. Meine Mutter ist sehr praktisch, und ich glaube, sie macht immer, was notwendig ist. Das war immer ihr Weg. Und so hatten wir uns angepasst. Es war etwas schwierig, mit einer anderen Familie in Brooklyn zu leben. Da war eine Mutter und zwei Söhne, und ein Schwiegersohn. Man musste das aufteilen, und das ist immer etwas problematisch. Man will es sich nicht schwer machen, aber das war ganz nett. Ich ging zu einer Public School 99 dort, aber ich sprach englisch mit einem besonders englischen accent. Das war etwas Neues für die Kinder in dieser Schule. In der Schule hat man gesagt, wenn man zu jemandemwenn man ihn zuerst trifft, dass man sich verbeugt, und das habe ich getan. Die haben noch nie so etwas gesehen. Aber alles ging normal. Die movies…da war ein movie house nicht weit weg, und dann hat man drei movies für zehn Cent sehen können. [Lacht.]

 

PS: Was hat Ihre Mutter gearbeitet?

 

GB: Sie hat einen Job gesucht, und sie hat…ich weiß nicht genau, welchen Job sie damals gefunden hat, aber sie hat fast immer gearbeitet. Am Ende als accountant und bookkeeper in irgendeiner Firma, die auch Emigranten gehörte…eine clothing Firma. Aber ich glaube, am Anfang hatte sie etwas anderes. Ich glaube, besonders als mein Vater kam, wurde es noch schwieriger, weiter mit diesen Verwandten zu wohnen. Damals kamen mein Onkel und meine Tante auch, ungefähr zur selben Zeit, und dann mieteten wir Zimmer mit einem Ehepaar mit zwei Kindern in Washington Heights. Die waren irischer Abstammung. Er war Polizist, und sie hatten eine Tochter und einen Sohn. Meine Mutter, mein Vater und ich wohnten in einem Zimmer, Onkel Emil und Tante Irma in einem zweiten Zimmer und dann eine Frau Green in einem dritten Zimmer. Die Familie benutzte ein Badezimmer und alle anderen ein zweites Badezimmer, und das war immer ein Problem in der Früh. Da musste man sich…man steht in der Reihe, bis man ins Badezimmer kommt. Und Frau Green, die nicht arbeitete, kam immer, und wir hätten gern, dass sie lieber gewartet hätte, weil wir mussten…ich musste in die Schule gehen, meine Eltern zur Arbeit, aber das… [Lacht.]

 

 

2/00:20:32

 

 

PS: Haben Sie Schwierigkeiten gehabt, sich hier an Amerika, an New York, anzupassen? Das Englisch war, nehme ich an, schon sehr gut, oder Sie haben sich verständigen können.

 

GB: Ja, das Englisch war kein Problem, auch für meine Eltern. Sie haben beide englisch gesprochen…mit einem accent natürlich, aber nicht schlecht. Und Washington Heights wurde das Vierte Reich genannt. Da waren sehr viele deutsche und österreichische refugees, und man hörte das auf der Straße.

 

PS: Haben Sie mit der Kultur Probleme gehabt? Dieser Kulturschock, Amerika und Europa sind doch sehr unterschiedlich. Können Sie sich erinnern?

 

GB: Persönlich, ich kam von einer englischen Schule, in der man viel mehr gelernt hat als hier, sodass…die Schule hier für mich war ein Rückschritt und sehr leicht, kein besonderes Problem. Das Einzige war, man musste sich an den neuen accent anpassen und Baseball lernen und was weiß ich, alle möglichen solchen Sachen. Aber das war nichts, für mich kein Problem, glaube ich. Und meine Mutter, wie gesagt, sie passt sich ganz schnell an. Ob sie Köchin ist in einem englischen Haus oder in einem Büro in New York, ist, glaube ich, keine besondere Sache. Und nicht nur das, sondern die Verwandten waren auch hier. Wir wohnten zusammen mit Onkel Emil und Tante Irma. Für mich war das etwas ein Problem, weil ich hatte nicht zwei Eltern, sondern vier, und für mich wären zwei genug gewesen. Alle vier haben etwas gefunden, das ich nicht ganz richtig gemacht habe. Und auch die Personalitäten zwischen meinem Onkel Emil und meinem Vater…sie waren ganz unterschiedlich.

 

Am Anfang hatte mein Vater Schwierigkeiten, etwas zu finden. Er war ein Anwalt in Wien, konnte aber hier nicht Anwalt sein. Er hat am Ende durch HIAS [Hebrew Immigrant Aid Society] eine Position gefunden als paige in Slavonic Division, der von der New York Public Library. Er hat es geliebt. Das war wunderbar für ihn, weil dort konnte er polnisch und russisch sprechen und alle Bücher lesen und sich mit allen Leuten unterhalten, Politik debattieren. Er war viel glücklicher wie als Anwalt in Wien. Am Ende war er Chef der Slavonic Division. Er arbeitete für viele Jahre als erster deputy vom…wie heißt er…das war ein Professor, ein Dostojewski-Experte…Jarmolinski. Avram Jarmolinski, der ein sehr gelehrter Mann war. Er hat ein Buch geschrieben über [Fjodor Michailowitsch] Dostojewski, und am Ende trat Jarmolinksi zurück, und mein Vater war chief of the division für ein oder zwei Jahre. Und das hat er sehr gut gefunden. Und meine Mutter, damals, kann ich mich erinnern, hat gearbeitet als cleaning lady für eine Familie in New Rochelle, und da hat sie acht Dollar pro Woche bekommen. Und drei Dollar waren die Miete für das Zimmer. So hatten wir ungefähr fünf Dollar…nicht viel Geld. Aber man geht zu Horn & Hardart und kauft sich zwei rolls für five cents, und da kann man Ketchup und Senf draufschmieren, und das kann man essen…irgendwie.

 

PS: Hat es Sachen gegeben, die Sie an Amerika oder New York sehr geliebt haben, als Sie hergekommen sind? Oder welche, die Sie überhaupt nicht ausstehen konnten?

 

GB: [Lacht.]

 

PS: Haben Sie irgendetwas wirklich vermisst, was es in England gegeben hat?

 

 

2/00:24:55

 

 

GB: Ich glaube…die Schule in England hat mir sehr gefallen. Erstens einmal wohnte man dort, alles passierte dort, man musste nicht hin- und hergehen. Hier, am Anfang, war ich in der Schule in der Nähe, zwei Blocks away, dann war es etwas weiter…junior high school war zehn oder zwölf Blocks. Man musste gehen, weil da gab es nichts anderes. Und high school war Stuyvesant, und das war eine Stunde hin und eine Stunde her. Aber das war eine gute Schule. Ich glaube, das Einzige was mir besonders imponiert hat, in England, war die Idee, dass Leute fair sein müssen. Es ist sehr wichtig in einer englischen Schule, to be fair. Es gibt nicht einmal so ein Wort in Deutsch. Das Wort in Deutsch für fair ist fair. Aber in England ist das ein ganzes Konzept. Und das war nicht der Fall in Amerika. Das habe ich vermisst. Aber es war nett, Verwandte zu haben und wiederzusehen. Die Kepischs kamen auch her. Dr. Kepisch war ein Ingenieur, und seine Frau, die ungarisch war, und die Charlotte…das war ihre Tochter, die war in meinem Alter. Mit denen hatten wir ziemlich viel zu tun. Kepisch war der Bruder von der Tante Irma. Nein, ich weiß…ich kann es nicht sagen. Mein Vater hat sicher die Atmosphäre und die Kultur von Wien…das fehlte ihm und meiner Mutter auch. Es war schwer, in die Oper zu gehen, es kostete zu viel. Nach einiger Zeit aber…man findet…mein Vater hat sich mit einem deutschen Komponisten befreundet – [Richard] Mohaupt, der hier war. Von ihm habe ich gelernt, wie man ein…wie heißt das…für das ganze Orchester…wie man das liest, die Violine, die Cellos und so weiter. Weil er schrieb Symphonien, und wir gingen zu Besuch dort, er hat mir das erklärt, und das war ganz nett. Dann war eine andere…auch eine Freundin aus Wien, und die Tochter war Mitglied des club, und dann konnte ich zur Oper gehen – ich musste natürlich hinten stehen. Aber man konnte alles Mögliche sehen. Das war noch die alte Oper auf der 40. Straße. Und allmählich baute sich das alles aus. Man macht, was einem Spaß macht, man geht zu Konzerten, man geht zu den Museen und so. Das ist einer der großen Vorteile von New York. In Wien hat man das Kunsthistorische [Museum], das Naturhistorische [Museum], mit Mesia Thesia…ich sagte das immer anstatt Maria Theresia…dazwischen. Aber hier hatte man doch auch eine ganze Menge Sachen, die man sehen und tun kann. Man kann Ausflüge machen, nach Bear Mountain kann man gehen. Es gibt viel zu…es war ein großes Getümmel hier, und Geld war, besonders am Anfang, sehr schwer, aber ich muss sagen, als Kind weiß man es nicht anders. Es ist so, und so ist es. Nur später…ich meine, wenn ich jetzt leben müsste, wie ich damals gelebt habe, dann würde das ein großes Problem sein. Aber damals war es kein Problem.

 

 

2/00:29:07

 

 

PS: Wie war der Kontakt zur österreichischen community oder zur jüdischen Emigranten-community? Hat es da einen besonderen Kontakt gegeben?

 

GB: Ja. Ich glaube, die meisten Freunde, die meine Eltern hatten, waren refugees. Wir haben auch Kontakt gehabt mit einem…irgendwie hat mein Vater sich mit einem Professor von der Yeshiva University befreundet. Und wir gingen manchmal zu ihm zu Festen. Das war ganz interessant, etwas Neues für uns. Aber er war ein interessanter, netter, guter Mann. Und mein Vater, in der Bibliothek, hat auch viele Leute dort gekannt – viele Polen, viel mehr als in Wien. Und die haben uns besucht, und dann haben sie polnisch gesprochen, und dann hat sich meine Mutter geärgert, weil sie es nicht verstehen konnte. Dann haben sie sich etwas gestritten. Aber es war da…ich meine, man konnte alle möglichen Sachen tun. Meine Eltern sind auch gereist, ziemlich viel…eine Insel an der Ostküste Kanadas und alle möglichen Sachen.

 

PS: Das heißt, Ihre Eltern haben sich auch relativ schnell an das Leben in Amerika angepasst?

 

GB: Ja, obwohl…ich meine, das Leben in Washington Heights war, am Anfang wenigstens, ein beschränktes Leben, aber das breitet sich aus. Und besonders für mich…man geht in die Schule, man trifft andere Leute, und dann natürlich ist es fast grenzenlos. Und das ist vielleicht das Interessante und Beste an Amerika, dass es grenzenlos ist, dass die Möglichkeiten da sind. Man kann alles machen. Ich kann mich erinnern, ich war auf der Yale University, und die ersten zwei Jahre wollte ich economics studieren, und dann habe ich mich entschieden, dass ich wirklich ein Anwalt sein möchte. Und ich habe das meinem Vater gesagt, und das hat ihn nicht besonders gefreut. Er hat sich nicht sehr gefreut und hat gesagt: „Bist du dir wirklich sicher, dass du das willst?“ Ich nehme an, weil es für ihn nicht eine so glückliche Sache war. Er hat großes Gefühl für Literatur und für Geschichte und Politik, aber null für Geschäft. Und besonders in Amerika, wenn man Anwalt ist, muss man etwas Geschäftliches fühlen, wenigstens, und das hat er…und für mich war das interessant, und das war immer sehr gut.

 

PS: Wann haben Sie Ihre Staatsbürgerschaft hier bekommen?

 

GB: [Aufnahmefehler.] Ja, dann sagte ich: „Streichen Sie ‚Otto‘ und tun Sie ein ‚E‘ ans Ende von ‚Georg‘.“ Auf diesem Weg habe ich meinen Namen geändert.

 

PS: In das Amerikanische?

 

GB: Ja, George, weil Georg ist ein…wenn man Georg Jensen ist, ist es was anderes. [Lacht.]

 

PS: Waren Sie bei der army eine Zeit lang?

 

GB: Ja, drei Jahre in der U.S. Air Force als Offizier, nach der law school. Ich habe hin- und hermanövriert in der National Gard, so wie der [Bill] Clinton und der [George W.] Bush, aber am Ende musste ich entweder zwei Jahre in der Armee sein, oder ich konnte auch eine…in JAG, Judge Advocate General’s group, sein, in der Air Force. Und ich wurde verheiratet, kurz nachdem ich die law school fertiggemacht habe, und so habe ich mir gedacht, es wäre besser, drei Jahre als Offizier zu sein, besonders, wenn man etwas im legal field machen kann. So habe ich das getan und wurde dann in die Schule…eine JAG-Schule hatten sie in Montgomery, Alabama, und dann die erste base war eine Air Force base in Florida, dann ein Monat in Marokko, dann ein Jahr in Korea, dann ein Jahr auf der Hamilton Air Force Base in San Francisco. Und ich muss sagen, diese Zeit in der Air Force, da lernt man wirklich, was Amerika ist, weil in New York ist man beschränkt. Man sieht…New York ist nicht Amerika. New York ist sehr interessant, aber Amerika ist etwas anderes. Nur wenn man in der Armee ist, oder so etwas Ähnliches, sieht man…man lernt Leute aus Washington kennen, aus Tennessee oder Oklahoma, so, dass man dann eine andere Idee hat, was sich hier tut.

 

PS: Was haben Sie vom Zweiten Weltkrieg mitbekommen, hier in Amerika?

 

GB: Ja, ich kann mich erinnern, wann das…wir waren schon in der 191. Straße. Ich hatte einen Freund, George Weiß, auch ein refugee aus Wien, der schon gestorben ist. Wir waren in meiner Wohnung und haben das Radio gehört, und dann hörten wir die Berichte über das bombing von Pearl Harbor. Wir haben uns notes gemacht, was war, und haben vorbereitet für die assembly…wir wussten, irgendwas wird sein am nächsten Tag, und da haben wir das gelesen vor allen Studenten.

 

 

2/00:35:11

 

 

Und das war die Berichtung. Ich meine, wir wussten, dass das sehr…besonders wir, weil wir aus Europa kamen. Und das war natürlich auch…wir sahen, dass [Franklin D.] Roosevelt schon wollte, dass wir irgendwie die Europäer unterstützen, aber wir erwarteten nicht, dass es aus dieser Direktion kam.

 

PS: Wie sehr waren Sie sich über die Endlösung der Juden im Klaren? Während Sie in Wien waren, werden Sie das wahrscheinlich nicht--

 

GB: --nein.

 

PS: Habe Sie das in England dann irgendwann--

 

GB: --nein. Ich – ich, persönlich – habe in England nichts gewusst, und in Amerika erst langsam haben wir Sachen gehört…Teile. Und ich glaube, dass man, nicht bis nach dem Ende des Krieges wirklich, wie sie die Lager befreit haben…dass man sehen konnte, wie weit…das war. Wir hatten auch Berichte von irgendwelchen Leuten in Südamerika, was mit einem Onkel und seiner Familie in Polen passierte. Mein Vater hat das irgendwie gehört…ich weiß nicht genau, wie die ganzen…und er war ein Arzt, Dr. Olo Berlstein, seine Frau und meine zwei Cousinen wurden alle vier ermordet, von Ruthenen, unter ganz hässlichen Umständen. Man wusste nie, ist das wirklich wahr, und dann hat man eine zweite Bestätigung, dann glaubt man es schon mehr und…aber die ganze…ich hatte es wirklich nicht verstanden, sicher bis nach dem Krieg.

 

PS: Sie haben die Volksschule noch drei Jahre in Wien gemacht, und dann in England sind Sie auf diese boarding school gekommen. Wie ist dann in Amerika die education weitergegangen?

 

GB: Da war ich in einer Schule in Brooklyn für sechs Monate ungefähr und dann ein oder zwei Jahre in der Schule in Washington Heights, dann Junior High School 115 in…177. Straße. Diese Schule, Humboldt Junior High…ich weiß nicht, ob Sie gesehen haben, da ist ein Film, den sie gemacht haben, dass die Kinder einer junior high school tanzen lernen. Und dann haben sie eine Tanz-competition, und eine junior high school hat das gewonnen, und das war meine alte junior high school. Jetzt natürlich ist diese ganze Gegend in Washington Heights zu 90 Prozent Dominikaner. Und die tanzen sehr gut und einer…unser doorman wohnt jetzt in Washington Heights, ging zur selben Schule, und ich rede mit ihm über unsere Schule. [Lacht.] Und nachher Stuyvesant High School für drei Jahre. Und dann College, Yale, für vier Jahre und dann Yale Law School für drei Jahre.

 

PS: Und Sie sind dann Anwalt geworden?

 

GB: Ich bin Anwalt geworden, dann drei Jahre in der Air Force, nach der law school, und dann habe ich angefangen als Advokat in einem Kabinett in New York, bis vor fünf, sechs Jahren – nicht im selben Kabinett, aber für viele…für vierzehn Jahre in einem und dann…nein, das ist eigentlich nicht ganz richtig…für drei oder vier Jahre in einem und dann für zehn oder vierzehn Jahre in einem zweiten und dann, wo ich am Ende hingekommen bin.

 

PS: Wie war Ihr Kontakt nachher zur Familie, zu Ihren Eltern? Immer noch sehr gut, oder hat sich das…wie Sie nach Yale gegangen sind, haben Sie sich wahrscheinlich nicht mehr so oft gesehen?

 

GB: Nicht so oft gesehen, aber ich wohnte zu Hause. Ich habe meine Eltern oft gesehen, mein Vater hat sich sehr gefreut, dass ich…er kannte einen russischen Professor in Yale, [Georgi Wladimirowitsch] Wernadski, und er hat mir auch etwas geschrieben, und das war auch ein Grund, warum ich Yale…das war für so ein Konzept deshalb. Und meine Eltern haben sich sehr gefreut über die Schule und haben mich in Yale besucht.

 

PS: Sie waren stolz auf Sie?

 

GB: Ja, ganz klar.

 

 

2/00.40:18

 

 

PS: Haben Sie jemals irgendeine Form von Antisemitismus hier in New York, in Amerika, auf der Uni vielleicht, erlebt?

 

GB: Wie ich nach Yale kam, das war [19]46, hatte Yale immer eine jüdische Quote, fünfzehn Prozent. Ich meine, ich wusste nicht genau, was es war. Jetzt weiß ich es, aber es ist klar, dass es irgendwie…und das erste Jahr sahen wir, dass alle jüdischen Studenten zusammen…in einem Zimmer vier…waren Juden zusammen. Nachher geht man, wo man will. Und ich meine, sie könnten sich gedacht haben, dass man das lieber hat. Man fühlt sich vielleicht mehr--

 

PS: --mit seinen eigenen--

 

GB: --ja, gemütlich fühlen. In der Schule selbst habe ich keinen Antisemitismus gespürt. [Aufnahmefehler.] Die christlichen Leute…war alles tadellos, keine Beschwerden. Sie haben uns gegeben, was wir wollten, wir haben zusammen Programme gemacht, und sie haben sich an jüdischen Sachen interessiert. Yale hat schon mehr…wo man Hebräisch studiert, aber nicht für Israel, sondern weil…in der religion school und zwar eine protestantische religion school. Hebräisch war etwas, was ein gebildeter Pfarrer wissen sollte.

 

PS: Ich hätte jetzt ein paar politische Fragen, wenn Sie Ihre Meinung…haben Sie von Hiroshima gewusst, von den Atombomben?

 

GB: Ja. Ich war im Boy Scouts camp, ich kann mich erinnern.

 

PS: Was war da für eine Reaktion?

 

GB: Ich war damals…ich weiß nicht, wie alt…jung. Ich war…welches Jahr war das?

 

PS: 1945.

 

GB: [19]45. Ja, ich war fünfzehn oder so…sechzehn. Ich habe gewusst, es war ein großer Krach, aber ich wusste nicht, wieso oder warum, und ich wusste, das endete den Krieg. Ich wusste nicht viel mehr. Ich wusste am Anfang nicht, wie viele Leute da gestorben sind. Ich wusste nur, dass eine große Bombe explodiert ist und dann, zwei Wochen [meint: drei Tage] später, eine zweite, und dann hat der Krieg geendet. Der europäische Krieg war schon beendet, und das war der japanische, also far east.

 

PS: Zu der McCarthy-Ära, haben Sie da--

 

GB: --oh ja, das haben wir durchgesehen, und wir haben das…watched all diese Senat-Anhörungen. Ja, das war eine…ich habe nie verstanden, wie jemand wie [Joseph] McCarthy bei so vielen Leuten akzeptiert werden konnte. Es war ja natürlich eine…McCarthy war nicht unbedingt antisemitisch…antikommunistisch, und zwei seiner Leute waren Juden, Roy Cohn und [Gerard] David Schine. Und vor dem Krieg waren eine ganze Menge Antisemiten in Amerika, Father [Charles Edward] Coughlin und diese Leute, die ziemlich schweren Antisemitismus gepredigt haben. Und natürlich wusste man…es war zum Beispiel, wie ich von der law school, als ich eine Position suchte…es war klar, dass viele der besten Anwaltskanzleien entweder keine Juden nehmen oder wenn, nur einen ganz kleinen Anteil. Und dann gab es noch immer jüdische Firmen. Die meisten Juden gingen zu jüdischen Firmen. Ich ging zu einer gemischten Firma, aber sehr klein. Die erste Firma war Chapman, Walsh & O’Connell, also wir waren nicht jüdisch. Aber das war spezialisiert, und da machte es keinen Unterschied, das ging. Und jetzt ist das natürlich nicht mehr der Fall.

 

PS: Zum Koreakrieg und zum Vietnamkrieg? In Korea waren Sie?

 

GB: In Korea war ich, aber zwei Jahre nach…der Krieg endete in [19]73 [meint: 1953], und ich kam nach Korea [19]75…[19]75? Yes, [19]75 [meint: 1955]. Obwohl der Krieg zu Ende war, war das Land…nichts da, ein geplündertes Land, arm, keine Industrie, die Leute betteln und verhungern. Es war ganz miserabel, aber interessant, ganz interessant für mich. Dieses Jahr war…meine Frau konnte nicht kommen, weil…Familie in Japan, ja, aber nicht in Korea. Aber es war höchst interessant. Ich hatte viel zu tun. Nicht nur…wie sagt man trials?

 

PS: Verhandlungen?

 

GB: Court martials. Und das war prosecution und defense. Man geht von einer Seite zur anderen…sondern auch mit der koreanische Regierung, Übergeben von Lufthafen und aeroplanes und alle möglichen Sachen. Ich bin eigentlich ein Mitglied der koreanischen bar, der koreanischen Juristen.

 

 

2/00:46:40

 

 

PS: Zur Situation mit den Afroamerikanern, dem civil rights movement, ist Ihnen das hier bewusst geworden?

 

GB: Oh ja! Damals war ich schon ganz aktiv mit dem American Jewish Committee, und eine ganze Menge anderer jüdischer Organisationen haben sich sehr bemüht in diesem Kampf – und besonders in New York. Ich meine, es ist nicht unbedingt notwendig, dass man mitmacht, aber wenn man überhaupt ein Gefühl hat und ein politischer Mensch ist – und ich bin es –, kann man es nicht vermeiden.

 

PS: Ihre neighborhood und Ihre Beziehungen zu Leuten heute hier in New York, was können Sie mir erzählen?

 

GB: Dieses Gebäude, wo ich jetzt bin, das hat eine ganz interessante Mischung. Walter Cronkite wohnt hier und [William H.] Donaldson, der frühere chairman der SEC [Securities and Exchange Commission], und eine Menge höchst interessanter Leute. Und es ist ganz gemischt: African Americans, Korean Americans, Indians…we have an Indian family living downstairs. Eine indische Familie lebt hier, und…es ist ganz klar, dass die Verhältnisse zwischen Juden und African Americans sich in den Jahren nach dem Anfang des civil rights movement wesentlich verschlechtert haben, aber jetzt ist es, glaube ich, wieder am Aufschwung. Ich glaube, beide Seiten versuchen, das wieder zusammenzubringen. Ich mache das mit dem American Jewish Committee. Wir haben verschiedene…es sind immer Probleme mit jemandem wie [Louis] Farrakhan, der Sachen sagt, und es ärgert uns immer, dass African Americans, die wir respektieren, dass sie nicht dagegen sprechen. Aber sonst haben wir sicher große Fortschritte in den letzten fünf Jahren gemacht.

 

PS: Wie, würden Sie sagen, hat die Schoah Ihre eigene jüdische Identität beeinflusst? Wie war das durch den Holocaust?

 

GB: Ja, natürlich. Ich meine, man kann es nicht vermeiden, wenn man Jude ist und daran denkt, dass mehr als ein Drittel von dem ganzen Judentum in der Welt…ermordet ist. Natürlich hat das ein…die Idee…ich glaube…ich weiß nicht, wie das jetzt ist, deshalb ist das schwer zu…ich hatte den Eindruck, dass in Österreich der Antisemitismus ziemlich tief eingebissen war, aus verschiedenen Gründen, die ich teilweise erklären kann und teilweise natürlich nicht. Das ist ein Problem für jeden Juden, weil das repräsentiert Leute in der Welt, die irgendwie immer noch etwas…was immer man tut, was immer man sagt, die einem irgendwie etwas dagegen haben würden. Und das ist immer unangenehm…mehr als unangenehm, aber sicher unangenehm…das Gefühl.

 

 

2/00:50:39

 

 

PS: Wie wichtig ist für Sie persönlich die Gründung des Staates Israel? Wie haben Sie das mitbekommen?

 

GB: Ich weiß nicht, wie ich damals…in den letzten zwanzig, 30 Jahren und teilweise auch in Verbindung mit meinem alten Freund aus Wien…es ist wichtig. Es ist wichtig aus zwei Gründen. Weil es wichtig ist, einen Platz zu haben, wo ein Jude immer hingehen kann, wenn es notwendig ist. Ich erwarte keinen Pogrom in Amerika, aber man kann lesen das letzte Philip-Roth-book, so, dass die Möglichkeit…man kann nicht zu 100 Prozent sagen, dass es nicht passieren kann. Und auch die Idee, dass es da ist…ich hoffe, es wird nie notwendig sein, aber, dass es da ist, ist wichtig. Es ist auch wichtig, weil, ich glaube, als Jude fühlt man sich stärker, mehr bekräftigt, dass so etwas sein kann. Ich war nur einmal in Israel, aber das ist ein…es macht einen sehr großen Eindruck, ein Land zu sehen, das aus gar nichts gebaut ist und jetzt ein großes Land ist. Wissen Sie, wer Israel besonders bewundert? Die Koreaner.

 

PS: Wirklich?

 

GB: Ja, das ist…sie sehen die Parallelen. Sie sehen, wir in Korea haben am Ende des Kriegs nichts gehabt. Israel war nichts, und jetzt ist Korea das zwölftgrößte Industrieland der Welt. Das zwölftgrößte und Israel…und nicht nur das. Sie finden auch, dass die Juden die am besten assimilierte Gruppe in Amerika ist. Wenn die Kinder der Koreaner zum College gehen, dann sagen die Väter: „Watch what the Jews do, und mach’ dasselbe!“

 

PS: Haben Sie sich jemals ernsthaft eine Emigration nach Israel überlegt?

 

GB: Nein. Nein, weil ich habe meine Kinder hier, meine Familie hier. Ich fühle mich wohl hier, ich habe alles, was ich möchte. Ich habe auch George [W.] Bush, den ich nicht möchte, aber…und Israel hat viele Probleme…sehr viele Probleme. Manche von außen, aber manche auch von innen gebracht. Wissen Sie, jetzt bin ich wahrscheinlich schon zu alt, aber wenn man in einem gewissen Alter ist, kann man…ich sehe, man kann sich anpassen, wo auch immer, wenn es notwendig ist. Man kann sich anpassen in einem Land, wo man die Sprache nicht kann, man kann kommen als Anwalt in Wien, und wird Bibliothekar in New York…man kann es tun. Es ist alles möglich. Aber ich möchte es nicht besonders. Ich könnte, aber…und nicht nur das. So wichtig wie Israel ist zum Judentum, fast genauso so wichtig ist das Judentum Amerikas. Das ist genauso groß in der Population wie Israel und ökonomisch und so sehr wichtig, aus allen möglichen Gründen…und erfolgreich. Ich meine, außer wenn man sich Sorgen macht wegen der Heirat und so weiter, aber ich glaube, das kann man irgendwie bekämpfen.

 

PS: Was haben Sie für eine Beziehung zu Österreich?

 

GB: Ich hatte Mandanten in Österreich, wie ich in der Kanzlei war, und ich bin mehrmals nach Österreich gefahren. Ich kannte zwei oder drei Anwälte dort. Der Sohn einer der Anwälte war bei uns im Büro hier und…das erste Mal, wie ich nach Österreich zurückgegangen bin, habe ich mich nicht wohlgefühlt.

 

 

2/00:55:17

 

 

PS: Wissen Sie, was für ein Jahr das war?

 

GB: Ich kann es genau sagen…ungefähr 1960. Und wir haben damals die Freunde meiner Eltern, die noch dort waren, und wir sind zum Heurigen gegangen am Ende der…Linie, dort in Grinzing…Nussberg, glaube ich. Es war sehr nett, sehr schön, wir haben getrunken, gespielt und so, und sind dann zurückgekommen. Die anderen Leute waren…meine Frau und das Ehepaar waren vor mir, und ich bin etwas zurückgegangen, da saß so eine Person und sagt: „Mach’ schnell, Isaak!“, und das Blut ging in den Kopf, und dann auch ein paar andere, kleine Sachen, vielleicht übertrieben…sicher übertrieben, aber es hat mich so…dann wollte ich weg. Aber dann, nachher, bin ich zurückgekommen, und da war es…ich kam als Geschäftsmann, als Advokat, jeder war so, „Herr Dr. Berlstein“, und gaben mir Karten für die Oper. Es war sehr nett. Und die Leute, die ich getroffen habe – nicht Juden…ein oder zwei, aber hauptsächlich nicht –, waren alle sehr nett. Und da habe ich mich wohlgefühlt und habe gesagt, es ist ja nicht mein Problem…was immer ein Problem ist, ist nicht mein Problem. Damals, am Anfang, war Wien eine Stadt der alten Damen und der Hunde, aber jetzt ist es ziemlich lebendig und Familien und wieder Kinder. Es ist eine schöne Stadt.

 

PS: Sie haben ein sehr gutes Deutsch, muss ich Ihnen wirklich sagen. Haben Sie in der Arbeit sehr viel deutsch gesprochen, mit Mandanten?

 

GB: Ja.

 

PS: Wie würden Sie Ihre eigene Identität sehen? Amerikanisch, jüdisch, österreichisch? Wo sehen Sie sich am ehesten?

 

GB: Es ist unmöglich zu sagen, was man mehr ist, aber vielleicht bin ich zuerst ein amerikanischer Jude. Aber ich glaube, man sieht jetzt, dass…es ist fast unmöglich für viele Leute, irgendwo absolut zu Hause zu sein. Ich bin nicht ein voller Amerikaner.

 

 

[Übergang/Schnitt.]

 

 

So, dass ich glaube…wer hat das…dieser Schriftsteller…Pakistani-Schriftsteller, den man ermorden wollte, weil er etwas geschrieben hat…auf jeden Fall, seine Idee ist, dass in der Welt, die kleiner und kleiner wird, ist man weniger und weniger von einem Land. Und das, glaube ich, ist richtig. Und ich fühle genau dasselbe. Ich bin sicher nicht ein Österreicher, aber ich habe…und nicht nur, dass ich Gefühl habe für Österreich, ich ergänze das. Deshalb lese ich Sachen, so wie den Radetzkymarsch, was etwas sagt über das alte Österreich vom Kaiser, und für mich ist das Teil meiner Identität.

 

PS: Haben Sie jemals überlegt, nach Österreich zurückzugehen und dort zu leben?

 

GB: Nein. Es ist genau…ich könnte es tun, aber es ist--

 

PS: --nicht mehr Ihre Heimat--

 

GB: --nein. Ich bin gerne in Österreich, besuche gerne. Es ist ein schönes Land. Ich möchte wieder gehen, und ich werde wieder gehen. Und die meisten Österreicher, die ich getroffen habe, sind ganz nett und kultiviert. Mein Hauptkontakt momentan mit Österreich ist durch das Konsulat und durch die Zusammenarbeit zwischen dem American Jewish Committee und dem Österreichischen Konsulat. Ich kenne gewöhnlich ein oder zwei Leute im Konsulat, ich kriege am E-Mail, was immer für Kultursachen sie haben, und ich gehe einmal im Monat und höre mir etwas an. Und ich kenne schon ein paar Leute dort.

 

PS: Wie waren Ihre Erfahrungen, wenn Sie in Österreich waren? Sie haben gerade erzählt, wie Sie--

 

GB: --das erste war…aber seitdem waren meine Besuche in Österreich immer sehr erfreulich. Ich habe nicht wieder gesehen, was…und ich glaube, wie gesagt, wenn man das erste Mal geht, ist die Haut etwas roh, und man ist sehr empfindlich, und man liest vielleicht in einem Blick, was überhaupt nicht gemeint ist, und ich bin sicher, dass das teilweise der Fall war. Auch das erste Mal in Deutschland war auch etwas ein Problem. Ich ging nach Deutschland zwei-, dreimal im Jahr. Das kann man sich nicht mehr…dann sind da Leute, und mache sind nett, und manche sind nicht nett, so wie überall.

 

PS: Haben Sie beim Nationalfonds [der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus]…Sie wissen, was das ist…in Wien für Restitutionszahlung sich gemeldet?

 

GB: Ja. Ich habe zwei Zahlungen gekriegt von 7.000 Dollar ungefähr und eine dritte von 2.000. Das ist etwas Neues, was…diese Dame, die das führt, die hat den Namen von einem großen Philosophen…Schilling…Schell…[meint: Hannah M. Lessing]

 

 

2/01:01:27

 

 

PS: Es fällt mir jetzt nicht ein.

 

GB: Ja, die kam auf jeden Fall hier zu Besuch, und ich habe mich mit ihr zwei-, dreimal getroffen. Wir hatten ein paar Fälle, und sie ist enorm freundlich und nett. Ich habe einmal ein Problem gehabt…nicht meins, sondern ein Freund, Verwandter, ist gestorben, und er hat eine application gemacht, aber er ist gestorben, bevor es durchgegangen ist…nicht ausgezahlt, aber akzeptiert. Und so habe ich sie angerufen…Schilling, Schelling…[meint: Hannah M. Lessing]

 

PS: Ich weiß es jetzt auch nicht.

 

GB: Auf jeden Fall, sie hat selbst das Telefon beantwortet und hat gesagt: „Wissen Sie, Herr Berlstein, wir reden gerade über diese Frage. Wir werden das in der nächsten Woche lösen, und ich rufe Sie zurück.“ Und das hat sie getan. Und yes, er kann das machen. Es ist so nett gegangen. Ich meine, die Fragebögen sind natürlich etwas Komisches. Die Österreicher, das ist fast wie ein Witz aus der Zauberflöte. Ein Fragebogen…was wollten sie immer…ein lückenloser Lebenslauf, so etwas. Und ich füllte diese Sachen aus, und ich hatte diese deutsche Sekretärin und übergebe alle diese Sachen zu ihr. Und wenn ich nicht etwas hatte, was sie wollen, sie beantwortete alles und schreibt und mit höflichsten Schnörkeleien und so weiter. Die Österreicher, habe ich gefunden, wenn man ihnen genug Papier gibt, dann geht alles. [Beide lachen.]

 

PS: Das ist wahr, die Bürokratie.

 

GB: Und mit ein paar Stempeln. Nimm’ den goldenen Stempel, das wird schon… [Lacht.]

 

PS: Wir haben vor dem Interview kurz darüber geredet. Wie stehen Sie zu Österreich und wie Österreich mit seiner Nazi-Vergangenheit umgegangen ist?

 

GB: Ich glaube, dass Österreich…dass naziism und Antisemitismus ziemlich tief in der österreichischen Volkskultur waren. Und ich glaube, dass Österreich versucht hat, sich zu entschuldigen, und das habe ich nicht schön gefunden. Nicht nur nicht schön, sondern auch nicht praktisch. Und das war meine Predigt zu dem Außenminister, dass es besser ist, zu tun, was Deutschland getan hat, und zu sagen: „Wir haben einen schrecklichen Fehler gemacht, und wir können es nicht erklären. Es ist nicht zu erklären. Wir tun, was wir können, um es gutzumachen.“ Jetzt ist Österreich natürlich auf diesem Stand, in den letzten zehn Jahren vielleicht…so was. Und wie gesagt, diese Dame ist hervorragend. Die Konsuls, die ich…die letzten drei…also, den letzten kenne ich nicht, aber die vorher…nicht einmal Hypokriten, weil ich habe tiefer mit ihnen gesprochen, und man hat das Gefühl, sie wollen eine neue Seite aufmachen. Und ich finde, das ist gut. Meiner Meinung nach ist es…man soll natürlich die Vergangenheit nicht vergessen. Man kann sie nicht vergessen. Aber auch, wenn man kann, die nächste Generation…man soll es nicht vergessen. Aber man kann nicht ein prisoner, ein Gefangener, der Vergangenheit sein. Das Einzige, was man machen kann, ist, dass die Zukunft sich ändert. Und die Zukunft kann man nur ändern, wenn man mit der nächsten, jüngeren Generation spricht. Und das hat das American Jewish Committee gemacht, mit Deutschland. Wir haben die besten Kontakte mit Deutschland, mit jeder jüdischen Organisation, ein Büro in Berlin. Und jedes Jahr kommen 30 Militärleute, die in den Schulen sind, her, und wir reden mit ihnen über jüdische Sachen. Und wir machen das mit Polen und teilweise auch mit Österreich. Das finde ich…so macht man das. Ich kann mir denken, es hätte nicht sein sollen, aber ich meine, das ist die Vergangenheit. Sie ist weg.

 

 

2/01:06:19

 

 

PS: Wie stehen Sie zu Projekten wie dem Gedenkdienst, diesem Verein, der mich jetzt auch nach New York geschickt hat?

 

GB: Ich finde es interessant. Ich glaube, es ist eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, und man sieht vielleicht, wie…ich bin ganz sicher, dass fünf verschiedene Leute ganz verschiedene Eindrücke habe, ganz verschiedene Reaktionen, und man kann davon sehen, was passiert und wie man es vielleicht am besten machen soll. Und das ist ein Teil der Geschichte. Je älter ich bin, desto mehr interessiert mich Geschichte, nicht nur jüdische Geschichte, aber auch jüdische Geschichte.

 

 

[Übergang/Schnitt.]

 

 

PS: Spricht eines Ihrer Kinder oder Enkelkinder deutsch?

 

GB: Nein, kein Deutsch. Ich habe versucht, meinen jüngsten Sohn nach Bayern zu schicken für den Sommer. Seine Familie…das war ein…was heißt accountant?

 

PS: Ein Bankangestellter?

 

GB: Nein, nein. Ein accountant…mit einem komischen Namen: von Zitzelsberger. Der Sohn kam, ein langer Lulatsch, sechs Fuß sechs, sehr nett…Stefan. Und dann schickte ich meinen Jüngsten hin, und ich hoffte, dass er Deutsch lernt. Das war in München. Stattdessen, das einzige Wort, das er gelernt hat, ist das deutsche Wort für beer…was Bier ist. [Lacht.] Und sie haben mit ihm englisch gesprochen, die ganze Zeit. Sie wollten ihr Englisch verbessern. [Lacht.] Eine Tochter spricht französisch, weil sie ein Jahr in Genf war und auch in Frankreich.

 

PS: Inwiefern ist die jüdische Identität wichtig für Ihre Kinder?

 

GB: Für meine Tochter sehr wichtig, für den älteren Sohn nicht so wichtig…er ist komplett nicht religiös, aber wenn jemand irgendwie auf die Füße tritt, dann reagiert er sehr stark. Sein ältester Sohn, mein Enkel, ging in eine Schule, wo, ich glaube, im ganzen Dorf zwei Juden sind, und er kam nach Hause, und er soll christmas stockings machen. Da hat sich mein Sohn sehr geärgert und ist zur Schule gegangen und hat gesagt, wenn sich das nicht ändert, dann fängt er einen Prozess an. Ich bin auch…ich habe ein Buch genommen, vom American Jewish Committee, was erlaubt ist, was nicht erlaubt ist, und bin damit zum principal gegangen, habe mich mit ihm getroffen und habe gesagt: „Ich weiß, dass das für Sie ein neues Problem ist, weil Sie haben keine Juden früher gehabt. Aber hier ist etwas, was Sie sich vielleicht anschauen können.“ Und er sagte: „Ja, ich verstehe das, und Sie müssen wissen, dass die Lehrerinnen hauptsächlich das für Jahre gemacht haben. Niemand hat sich beschwert, weil es alle Christen waren.“ Da sagte ich: „Ja, das verstehe ich. Ich kenne das ganz genau, ich war zwei Jahre in England und so weiter. Aber Sie müssen verstehen, dass wir hier in Amerika sind.“ Er sagte: „Ja, ja!“ Und jetzt ist es viel besser. Und der Jüngste, der…gegen Religion ist, aber jetzt akzeptiert er mehr und mehr seine jüdischen Wurzeln. Er fragt mich, was war, er liest etwas…er hat den Radetzkymarsch gelesen und andere Bücher. Dann sagte er: „Jetzt verstehe ich etwas besser, von wo du kommst.“ Und der älteste Sohn will genau dasselbe machen. Er will mich interviewen. Ob ich etwas dagegen habe? Da sage ich: „Nein, natürlich nicht.“

 

 

2/01:10:28

 

 

PS: Das wäre meine letzte Frage jetzt auch: Ihre Kinder sind schon interessiert an Ihrem österreichischen background und an der österreichischen Geschichte?

 

GB: Ja.

 

PS: Haben Sie sie einmal nach Österreich mitgenommen?

 

GB: Nein, nie. Obwohl, ich möchte es mal machen. Ich würde es gerne machen, wenn wir das irgendwie erschwingen können. Das würde sehr gut sein. Sie würden es gern tun.

 

PS: Als letztes noch: Gibt es irgendwas, was Sie den jungen Amerikanern oder Österreichern, der jungen Generation, noch sagen wollen?

 

GB: Nein, die müssen…jede Generation muss sich selbst finden. Man kann keinen Rat geben. Man kann nur sagen, was passiert ist und wie man sich fühlt und so, aber was ich fühle, ist nicht unbedingt, was sie fühlen. Das kann ganz etwas anderes sein. Und man muss nur bereit sein, zuzuhören und darüber sprechen zu können. Das ist wichtig. Man darf nie den Kontakt verlieren…immer den Kontakt halten. Das ist in der Familie, mit Kindern…immer den Kontakt halten. Und das ist auch mit Generationen so.

 

PS: Vielen Dank, Herr Berlstein, dass Sie so offen waren und dieses Interview mit mir gemacht haben, und danke, dass Sie bei der Austrian Heritage Collection mitgearbeitet haben. Dankeschön!

 

GB: It was my pleasure!

 

[Ende des Interviews.]