Yokel, Susanna, AHC 284

Videos
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https://vimeo.com/198864124
https://vimeo.com/198895317
https://vimeo.com/198920286
Allgemeines
Schlagwörter ALT: 
Blau-Weiß
Israel ; Militär
Niederösterreich / Moosbrunn ; Vorbereitungslager
Wien / Krügerheim ; Umschulungskurs
Palästina / Kibbuz Afikim
Palästina / Kibbuz Kfar Blum
Palästina ; Haganah
Blau-Weiß ; Alija
Wien / Erich Fried Realgymnasium (BRG 9)
Wien / Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium (BGRG 8 Albertgasse)
Wien ; Anschluss ; Erinnerung
Schlagworte: 
Blau-Weiß
Israel ; Military
Lower Austria / Moosbrunn ; Preparation camp
Vienna / Krügerheim ; Retraining course
Palestine / Afikim Kibbutz
Palestine / Kibbutz Kfar Blum
Palestine ; Haganah
Blau-Weiß ; Aliyah
Vienna / Erich Fried High School (BRG 9)
Vienna / High school (BGRG 8 Albertgasse)
Vienna ; Anschluss ; Memory
Schlagwörter für Suche: 
Blau-Weiß Blau-Weiss Tchelet lavan Israel ; Militär Hachscharalager Moosbrunn Wien / Krügerheim ; Umschulungskurs Wien / Dr.-Krüger-Heim ; Umschulungskurs Palästina / Kibbuz Afikim Palästina / Kibbuz Kfar Blum Palästina ; Haganah Blau-Weiß ; Aliyah Blau-Weiss ; Alija Tchelet lavan ; Alija Wien / Erich Fried Realgymnasium (BRG 9) Wien / Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium (BGRG 8 Albertgasse) Wien ; Anschluss ; Erinnerung Wien ; Anschluß ; Erinnerung
relevante Bundesländer: 
Wien
Wiener Bezirke : 
9. Bezirk
10. Bezirk
Person
Geburt: 
Geburtsort (Land, Stadt/Ort): 
Österreich
Wien
Geburtsdatum: 
3. Dezember 1923
Geburtsjahr: 
1923
Geburtsorte: 
Flucht-/Emigrationszeitpunkt: 
nach dem ‚Anschluss‘
Vorname: 
Susanna
Nachname: 
Yokel
Geburtsname: 
Martha Susanna Braun
jüdischer Name laut Q1 : 
Miriam
allenamen: 
Susanna Yokel Martha Susanna Braun Miriam
allenamen anzeige: 
Susanna Yokel alternative Schreibweisen: zweiter Vorname: Weitere Nachnamen: Geburtsname: Martha Susanna Braun Jüdischer Name: Miriam
Geschlecht: 
weiblich
Herkunft Mutter: 
Österreich-Ungarn, Böhmen
Herkunft Vater: 
Österreich-Ungarn, Ungarn (inkl. Siebenbürgen, Banat, Vojvodina)
Biografie: 
Susanna Yokel wurde 1923 in Wien geboren und besuchte bis März 1938 das Schubert Realgymnasium im 9. Wiener Gemeindebezirk. Durch ihre Mitgliedschaft in der zionistischen Jugendorganisation Blau-Weiß erhielt sie ein Ausreise-Zertifikat und flüchtete im März 1939 über Italien nach Palästina. Dort war sie 1943 Mitbegründerin des Kibbuz Kfar Blum. 1956 wanderte sie mit ihrer in Israel gegründeten Familie in die USA aus. Zum Zeitpunkt des Interviews lebte sie in Bethesda, Maryland.
Interview
InterviewerIn: 
Philipp Rohrbach
Konstantin Wacker
Sitzungsanzahl: 
1
Art des Interviews: 
Audio
Dauer des Interviews: 
04:18:00
Sprache(n) des Interviews: 
Deutsch
Englisch
Datum des Interviews: 
6. Juni 2008
Transkribiert von: 
Thomas Rennert
Ort des Interviews: 
Ort des Interviews (Land,Bundesstaat, Stadt/Ort): 
USAMarylandBethesda
Bestand: 
LBI New York
Bearbeitung des Interviews/Schnitt: 
Tom Juncker
Beruf
Beruf/Beschäftigung: 
Anmerkung Beruf: 
Arbeitete bei "Hammer Brot"
Beruf (Pflichtfeld): 
Berufsort (Land, Stadt/Ort): 
Anmerkung Beruf: 
Yokel arbeitete in Kleiderladen im Kibbuz Afikim.
Beruf (Pflichtfeld): 
Berufsort (Land, Stadt/Ort): 
Berufsbereich (Pflichtfeld): 
Anmerkung Beruf: 
Im Kibbuz Afikim arbeitete Yokel zunächst im Gemüsegarten, später dann im Blumengarten.
Beruf (Pflichtfeld): 
Berufsort (Land, Stadt/Ort): 
Berufsbereich (Pflichtfeld): 
Anmerkung Beruf: 
Im Kibbuz Kfar Blum war Yokel als Krankenschwester tätig.
Beruf (Pflichtfeld): 
Berufsort (Land, Stadt/Ort): 
Berufsbereich (Pflichtfeld): 
Anmerkung Beruf: 
Lehrerin (Deutsch, Hebräisch, Französisch, Englisch) auf der Montgomery County Public School für 20 Jahre.
Beruf (Pflichtfeld): 
Berufsort (Land, Stadt/Ort): 
Berufsbereich (Pflichtfeld): 
Beruf (Pflichtfeld): 
Berufsort (Land, Stadt/Ort): 
Berufsbereich (Pflichtfeld): 
Lebensstationen
Organisationen: 
Anmerkung: 
Über die Jugendorganisation konnte Yokel sich für ein Einreisezertifikat nach Palästina bewerben.
Organisation: 
Blau-Weiß - Österreich, Wien
Organisation: 
Haganah - Palestine
von: 
1939
bis: 
1948
Anmerkung: 
Yokel wurde mehrmals zum Dienst eingezogen.
Organisation: 
Israelische Verteidigungsstreitkräfte - Israel
ab: 
1948
Ausbildung: 
Ausbildungstyp: 
höhere Schule
Ausbildungsstätte: 
Schubert Realgymnasium (today: Erich Fried Realgymnasium, BRG 9 - high school) Glasergasse 25, 1090 - Österreich, -Wien
zur Zeit des ‚Anschlusses‘ besucht: 
ja
bis: 
März 1938
Ausbildungstyp: 
höhere Schule
Abschluss Ausbildung: 
abgeschlossen
Anmerkung Ausbildungsstätte: 
Yokel ging nach ihrem Ausschluss aus dem Schubert Realgymnasium im März 1938 in eine "jüdische" Schule – wie sie es bezeichnet – in der Albertgasse. Es handelt sich wohl um das Realgymnasium Albertgasse, das laut "grg8.at" 1938 in "Staatliche Oberschule für Jungen" umbenannt wurde und dem 186 jüdische SchülerInnen zugeteilt wurden, siehe: http://www.grg8.at/HP_GRG8_2016/seit1.html.
Ausbildungsstätte: 
Albertgymnasium (today: BGRG 8 Albertgasse - high school) Albertgasse 18-22, 1080 - Österreich, -Wien
zur Zeit des ‚Anschlusses‘ besucht: 
ja
von: 
März 1938
bis: 
Mai 1938
Ausbildungstyp: 
Hochschule
Abschluss Ausbildung: 
abgeschlossen
Ausbildungsstätte: 
The College of Saint Rose Western Avenue 432, 12203 Albany, - USA, -New York City
Ausbildungstyp: 
Hochschule
Abschluss Ausbildung: 
abgeschlossen
Ausbildungsstätte: 
University of Maryland - USA, -Maryland
relevante Lebensstationen: 
Art der Lebensstation: 
Ausbildungsort
Kindheitsort
Wohnort
Anmerkung: 
In Favoriten und in der Porzellangasse, 1090 Wien, gelebt.
Land (Lebensstation): 
Österreich
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Wien
computed city: 
computed land: 
Art der Lebensstation: 
Ausbildungsort
Wegpunkt
Bezeichnung der Lebensstation: 
Hachscharalager Moosbrunn
Anmerkung: 
zwei Wochen dort
Land (Lebensstation): 
Österreich
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Moosbrunn
computed city: 
computed land: 
Art der Lebensstation: 
Arbeitsort
Emigrationsort
Wohnort
Bezeichnung der Lebensstation: 
Kibbuz
Anmerkung: 
Dort nach Ankunft in Palästina untergebracht.
Land (Lebensstation): 
Israel
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Afikim
computed city: 
computed land: 
Israel
Geocoding Land Lebensstation: 
POINT (34.851612 31.046051)
Emigrationsort (nur Länderbezeichnung): 
Israel
Art der Lebensstation: 
Arbeitsort
Militärdienst
Wohnort
Anmerkung: 
Israel Kfar Blum An der Gründung des Kibbuz beteiligt gewesen.
Land (Lebensstation): 
Palästina
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Kfar Blum
computed city: 
computed land: 
Art der Lebensstation: 
Arbeitsort
Wohnort
Anmerkung: 
Erster Wohnort nach Ankunft in den USA. USA Connecticut Bridgeport
Land (Lebensstation): 
USA
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Bridgeport
computed city: 
computed land: 
Art der Lebensstation: 
Wohnort
Land (Lebensstation): 
USA
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Storrs
computed city: 
computed land: 
Art der Lebensstation: 
Ausbildungsort
Wohnort
Land (Lebensstation): 
USA
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Albany
computed city: 
computed land: 
Art der Lebensstation: 
Arbeitsort
Ausbildungsort
Wohnort
Anmerkung: 
USA, Maryland
Land (Lebensstation): 
USA
Stadt/Ort (Lebensstation): 
Maryland
computed city: 
computed land: 
Emigrationsroute
Flucht-/Emigrationsroute: 
Anmerkung: 
Vom Südbahnhof mit dem Zug Richtung Italien.
Land: 
Deutsches Reich
Stadt/Ort: 
Wien
Flucht/Emigrationsjahr: 
1939
Flucht-/Emigrationsdatum: 
15. März 1939
Alte/alternative Bezeichnung: 
Österreich
Anmerkung: 
Zwischenstopp
Land: 
Italien
Stadt/Ort: 
Venedig
Flucht/Emigrationsjahr: 
1939
Flucht-/Emigrationsdatum: 
März 1939
Anmerkung: 
Auf Transportschiff "Thalia" gegangen
Land: 
Italien
Stadt/Ort: 
Brindisi
Flucht/Emigrationsjahr: 
1939
Flucht-/Emigrationsdatum: 
März 1939
Anmerkung: 
Nach vier Tagen Überfahrt dort angekommen
Land: 
Palästina
Stadt/Ort: 
Haifa
Flucht/Emigrationsjahr: 
1939
Flucht-/Emigrationsdatum: 
März 1939
Transkripte
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Transkript Text: 

Teil 1

 

 

PR: This is an Austrian Heritage Collection interview with Mrs. Susanna Yokel, conducted by Philipp Rohrbach and Konstantin Wacker on June 6th, 2008 in Mrs. Yokel’s house. Frau Yokel, können Sie mir bitte Ihre Lebensgeschichte erzählen?

 

Spricht über
Zusammenfassung Spricht Über für Suche: 
Auswanderungsvorbereitungen und Emigration mit Blau-Weiß
Leben im Kibbuz Afikim
Die Last der Vergangenheit
Schulzeit nach dem ‚Anschluss’
Transkript spricht über: 
Transkript Textausschnitt

SY: […] So habe ich dort gearbeitet, bis meine Zeit für die Auswanderung gekommen ist und dann musste ich auf ein Vorbereitungslager gehen in Moosbrunn, Burgenland, ein altes jüdisches estate. Da haben wir zwei Wochen, glaube ich, Vorbereitung gemacht…ich weiß nicht. Und dann sind wir ausgewandert, dann sind wir…habe ich plötzlich den…I got the notice, that my turn came und ich kann nächste Woche fahren. Ich musste alles vorbereiten und dann am Schluss konnte…habe ich nicht die richtigen Papiere gehabt. I could not get…einen Stempel konnte ich nicht kriegen, mein Vater hat sich sehr bemüht. So habe ich den Termin vermisst und dann, da war ein second…ein anderer Termin, den nächsten Tag…die nächsten zwei Tage mit dem Zug nach Brindisi zu fahren und das Schiff dort zu erreichen. Die anderen sind alle zeitig nach Triest gefahren, haben das Schiff in Triest erreicht – die Gruppe. Und wir sind dann ein paar Tage später zu…ich habe fast zwei Stunden Verständigung bekommen…“get ready in two hours“. Zum Nordbahnhof…nein, Südbahnhof natürlich, nach Italien. „Du kannst fahren!“ Das war ein sehr schrecklicher Akt. In unsere Wohnung – wir hatten eine ziemlich…nicht…für österreichische Begriffe ziemlich große Wohnung, und wir hatten viele einquartiert. First of all, meine Tante und andere Leute, die haben in Piesting gewohnt, sie war Zahnärztin. Die sind natürlich alle herausgeschmissen, alles…„Österreich muss judenfrei werden“, man hat an einem Tag alle herausgeworfen und so they all came to us. Wir haben alle möglichen Verwandte und andere Leute in der Wohnung einquartiert gehabt. Anyway, ich musste am nächsten Tag sofort zum Bahnhof gehen und my father took…mein Vater hat mich hingebracht zum Zug. Meine Mutter ist nicht mitgekommen, um die Kinder…and that is the last time I saw…das ist das letzte time, dass ich sie dann für über zehn Jahre gesehen habe. Während des Krieges wusste ich ja nichts von ihnen. Anyway, mein Vater hat mich zum Zug gebracht, da waren andere…he was very upset, er war sehr erregt und: „Ach, wer ist der leader, wohin fahren Sie, was tun Sie mit den Kindern?“ Man hat gar nichts gewusst, man hat nur gesagt: „Go zum Zug.“ Und ich kann…da war ein Schaffner dort, der hat ihn beruhigt, ein Österreicher, der hat gesagt: „Ah, schauen’s [schauen Sie], Herr Braun, sein’s [seien Sie] froh, sie foaht [fährt] weg. Ihnen, den Kindern, geht es besser, als es uns gehen wird.“ You know, people…not everybody was…so, I remember him saying that in good Viennese. [Lacht.] Ausdruck: „Schaun’s [schauen Sie], Herr Braun” because my father was very…erregt und er wollte wissen, wo ich sitze. „Mach dir nichts draus“, so anyway, so sind wir gefahren nach…in Venedig sind wir umgestiegen und sind herumgegangen und haben alle gedacht wir sind vielleicht Hitlerjungen, wir haben alle…wir haben nämlich – bevor wir weggefahren sind – haben wir gekriegt…von der Kultusgemeinde: Gummistiefel und Regenmäntel, weil es so…das Klima in Palästina, es hat geregnet. [Lacht.] Und dann…das hat uns gefallen, wir haben uns diese Gummistiefel angezogen und die Regenmäntel…die haben alle gedacht, wir sind Deutsche, marschieren, es war sort of komisch. Und haben das Schiff in Brindisi erreicht. Das Schiff war nicht ein sehr großes…elegantes Schiff. Wir haben im steer gewohnt, ich weiß nicht, wie man das sagt…unten. Ich glaube, es war ein Transportschiff, nicht ein elegantes Schiff. Es hat geheißen…die Thalia hat es geheißen, glaube ich. Da waren fünf und sechs und acht in…so in der Kabine mit…wie heißen diese Betten, eines über dem anderen? PR: Stockbetten.  1/00:22:07  SY: Ja. Und die Kinder haben gespieben und es war wirklich eine ganz schreckliche Fahrt, aber es war sehr aufregend und ich war wirklich…es hat mich sehr gefreut, ich war so glorious, dass ich endlich was tun kann, über Italien bis [unklar]. Und das war mein erster…das erste Mal, dass ich Spaghetti gesehen habe, wir hatten Spaghetti und wir hatten…wir haben das nie gehabt in Österreich zu dieser Zeit, this Italian food. Die Fahrt dauerte vier Tage, wir sind in Haifa gelandet. And that was wonderful, I cannot…ich kann dir gar nicht erzählen, beschreiben, wie wunderbar das war. Es war März, 15. März [1939], gerade ein Jahr nach dem Anschluss. Und das Wetter in Österreich, es hat geschneit und geregnet…ich meine, Märzwetter ist nicht sehr schön. Es war miserables Wetter, Regen und snow und wir kommen…die Fahrt war ziemlich stürmisch, alle waren seekrank. Dann sind wir in Haifa eingefahren, in das…es war wie ein Traum. Blauer Himmel, Palmbäume, Blumen…Haifa ist sehr schön. Man fährt in den Hafen und das…Haifa ist am Berg herauf. Es war wie ein Traum, es war wirklich so schön. So ein Unterschied. Es war nicht der Orient, es ist der Middle East, aber trotzdem. So, alles hat geblüht…the orange blossom and the beautiful…die riechen so herrlich, also es war wirklich so schön. Dann sind wir dort in einem Einwanderungsheim ein paar Tage geblieben und Orangen und Datteln hat es…alles was wir nie, schon vor langer Zeit nicht in Wien gehabt haben…Südfrüchte. Das war meine Ankunft in Palästina, sehr positiv.

Vimeocode: 
238258768
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spricht - Über: 
Auswanderungsvorbereitungen und Emigration mit Blau-Weiß
Transkript Textausschnitt

SY: […] Und ich war auch in einer Gruppe, unsere Gruppe ist nach Afikim gekommen. Afikim ist ein sehr schöner, bigger Kibbuz im Jordan Valley. Und die Fahrt allein, wir sind mit dem Bus gefahren…wir waren ungefähr zwanzig in unserer Gruppe und wir wurden vereint mit einer Gruppe, die haben wir…eine andere Gruppe getroffen und die sind später gekommen, die sind von Czechoslovakia gekommen. Und wir sollten dort zwei Jahre bleiben. Halbe Tage…es war so organisiert, Youth Aliyah, man hatte…man arbeitete in den Morgen…halben Tag und nachmittags Unterricht.

 

 

1/00:26:59

 

 

Verschiedene…Hebräisch, Geschichte, was es halt war. Und nach zwei Jahren waren die meisten Leute achtzehn, da war man frei, man konnte tun, was man wollte. Man konnte in einen anderen Kibbuz gehen, man konnte einen Kibbuz bringen und man konnte Verschiedenes tun, aber verantwortlich war die Sochnut für zwei Jahre. So that is it, da haben wir begonnen zu arbeiten, waren wir natürlich sehr organisiert und alles Mögliche und haben Hebräisch gelernt und economics, was man halt so gebraucht hat. Verschiedene Sachen, nicht Lesen und Schreiben…und haben…wir waren so organisiert als eine Gruppe, wie es halt in so einem Kibbuz war…so einen Miniaturkibbuz, wir haben einen cultural Dings gehabt…wie sagt man? Verschiedene…Eltern, die dann gewählt wurden…cultural, social relations und whatever. Wir haben so halt ein pseudo-politisches Leben geführt, unsere Gruppe von 40. Und haben gearbeitet. Ich habe zuerst im Kleiderladen und dann im Gemüsegarten gearbeitet. Und dann im anderen…im Blumengarten. Also nicht im Blumengarten, wie hieß das…Park.

 

Der Kibbuz war sehr groß, es war ein alter Kibbuz und die Gründer waren Russen, die waren sehr interessante Leute, die sind alle…die meisten waren sehr…hatten viel Schulung. Manche waren lawyers und so, vom alten russischen Stock. Und die Kultur was auch…I mean, wir alle haben Hebräisch gelernt und Hebräisch gesprochen, but die waren sehr stolz, die waren…Russen, ja, Kulturniks. Sind aus Überzeugung gekommen, nicht weil sie mussten. Und da waren dann auch vom Baltikum, vom…ja, die meisten waren Russen in diesem Kibbuz. Und es waren sehr welt…man kann nicht sagen ein reicher Kibbuz, kein Kibbuz ist reich, but it was ökonomisch sound. Und that was in Jordan valley, which is sehr, sehr heiß und ist unter sea level. Wir haben Bananen gehabt und Grapefruit gehabt, und alles mögliche andere Gemüse exportiert. Also Grapefruit hatten wir sogar nach…Bananen haben wir sogar nach Russland exportiert, bevor…und sie hatten eine Fabrik, Kelet, für…die machte boxes, shipping boxes, für Gemüse aus Holz. Es war also eine große, ziemlich große Fabrik. So, die waren okay. Viele Leute von diesem Kibbuz waren auch in der Regierung. Die Regierung war social democratic in Israel, Mapai. Ich weiß, die waren alle…viele Kibbuz member waren in der Regierung. Und kulturell war es auch sehr…wir hatten Vorträge und Theatergruppen, es war eine…sehr, sehr schön.

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spricht - Über: 
Leben im Kibbuz Afikim
Transkript Textausschnitt

PR: […] Sie haben davon geredet, dass es Dinge gibt, die Sie durch das Leben hindurch verfolgen. Sind das Dinge, über die wir uns unterhalten können?

 

SY: Sure.

 

PR: Ja? Was haben Sie damit gemeint, als Sie gesagt haben, dass Sie Dinge noch immer verfolgen?

 

SY: Well, you know, a lot of concentration camps and cruelty that they did…verfolgen mich…the physical aspect, it is just…they do. They verfolgen me, they do. Think of them…why? You feel so angry and so hurt and you do not think it is possible that it happened and then you see it and…yes that stays with me, I am sure it stays with a lot of…most people, even though I did not go through it, it is there.

 

PR: Do you remember when you became aware of the things that happened in Germany? Do you remember--

 

SY: --yes, in Israel…Palestine, it still was. In the beginning we did not know, eigentlich when we…als ich weg war von Wien…für mich war es eigentlich eine große Hetz’, ich war im…quote unquote: "Oh, finally, I get out of Vienna and this and that", I wanted to…zum Land, wo die Zitronen blühen. [Lacht.] So it was no shock for me to leave my parents, not at all…the people who were…die lange Eisenbahnfahrt von Wien nach Brindisi, das ist im Süden von Italien…und manche Kinder waren sehr…haben geweint und waren homesick. Und ich gar nicht, für mich war das ein Abenteuer. We did not…weil wir nicht gewusst haben, was werden wird. Das war ein Abenteuer. "Oh, oh, I get out of Vienna and ich go nach Palästina und es ist so schön." Es war mir schon so fad in Wien. Ich konnte nicht in die Schule gehen, ich konnte gar nichts machen. Alle möglichen horror stories, und andere Leute sind weggefahren. Ich war ganz glücklich wegzufahren. Ich wundere mich eigentlich, dass es mir überhaupt nicht so leid getan hat, das was passiert…und eigentlich denke ich daran…jetzt…dann früher, dass ich eigentlich einen Teil meines Lebens versäumt habe, weil…you know, sometimes you are a late bloomer. Kinder heute mit fünfzehn sind erwachsen. Zu meiner Zeit, da waren sie noch Kinder, they did not do…grow so easily. They were still connected to their parents, they did not get married, or whatever. Especially…besonders in meinen Kreisen, bürgerlichen Kreisen. We were not that into…und ich wundere mich, ob ich was versäumt habe – man kann es nicht nachholen. Ich ärgere mich jetzt manchmal, how come they stole my…part of my life, which I should have spent with meine Familie, growing up and…took me a long time to get married, too…I could not make up my mind and, you know, used to have friendships and this and that…it was not quite the normal thing I thought, the way they did…I thought I was very mature for my age, I have no problem travelling and they all cried and everything was fine, and I liked the kibbutz and whatever, I was very enthusiastic about it – on the contrary, I became a socialist and politically engaged.

 

 

3/00:05:00

 

 

But I still think that the…well, in comp…im Vergleich zu, was andere Leute mitgemacht haben ist das eine Kleinigkeit, but I…doch fühle ich, dass ein part meines Lebens gestohlen wurde. These formative years I should have spent with my parents, or family, or mother. I know, how should I say…ich weiß nicht, ob ich das erklären kann…Kinder hier sind…wenn ich die Zeitung lese, die Zwölfjährigen and they are sexually active…wir waren nicht so und all dieses Erwachsene…I had to do on my own, so to speak. Wir hätten nicht…wir waren nicht allein, da waren immer Leute da, die uns helfen konnten, but ich war rather shy und thisnot shy…ich war eine sehr private Person, let us put thissay so. I did not have anybody to talk to. I mean, I would not…I had people but I would not talk, so I feel that, it is not a big deal…but there are little things which I feel I was deprived. I compared what people…what happened to most of the people, it was really nothing, but there is this edge that you feel, maybe I had done things differently in my life, privately, if I had maybe grown up more normally, I did not have all the decisions thrust on me when I was fourteen and fifteen. What to do, how to act. On the other hand I think…maybe not…maybe we had the…I had such a good background that I knew what was good, what I should have done and for the most time I did it, so…irgendwie ist es nicht ganz normal, let us put it that way, no matter what happened.

 

It is not…but wer ist normal? Wenn ich sehe, heutigen Zeit gehen die…Army…nineteen years, go to the Army and get killed in Iraq and…it is just a private feeling, I don't think…irgendwie fühle ich doch, dass man mir etwas weggenommen hat, let us put it that way. Nichts Materielles, aber ich…vielleicht beneide ich Leute – especially in Amerika –, die so ganz normal aufgewachsen sind, und ebenso meine Kinder, die alles haben und ganz normal wachsen, und wenn sie Probleme haben – wenn sie so wollen –, sprechen können und dann helfe ich. Und…wir waren nicht verlassen, nein, we always were taken care of, but we…I do not think I had that intimate contact, which I would have liked. With family, when you are alone. And this is eine Kleinigkeit, basically, because you always see the end product. The hard knocks of life. Nur, weil du eben gefragt hast, so sage ich: Ja, ich denke oft daran, ob mein Privatleben anders gewesen wäre oder nicht. You know, I was very lucky. Felix and I were very happy, we were married 60 years. It is a long time. 60 years and we got along very well. Had the same interests and everything. But…vielleicht denkt man an etwas, was nie gewesen wäre, das ist auch wahr. Man denkt vielleicht es wäre different gewesen, but…I'm still…what can I say, I still do not like the Germans. I have a bad feeling…I cannot. I made peace with Austria, but not with Germany. Nur einmal waren wir in Deutschland, in Berlin. It was okay, but did not feel like I wanted to do a lot of things.

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Die Last der Vergangenheit
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PR: Haben Sie noch gute Erinnerungen an Ihre Schulzeit?

 

SY: Ja, actually, it was a big shock. Ich habe meine Schule gerngehabt. Und ich war pretty good mit allen. Ich war immer Vorzugsschülerin. Und alle wollten…in der Studienzeit wollten alle neben mir sitzen, ich soll ihnen helfen mit der Mathematik und so, ich war gut in Mathematik. Und, ja, da waren auch ungefähr 30 Prozent – also von den Schülern in meiner Klasse – jüdisch. Wir waren eine Mädchenklasse, so ein Realgymnasium etwa…Schubert-Realschule, aber für Mädchen war es ein Realgymnasium. Waren getrennte Klassen, die Jungen haben Realschule gehabt und wir haben Realschule plus Latein gehabt, das war der einzige Unterschied, glaube ich. Ein Realgymnasium für Mädchen. Und die jüdischen Schüler waren alle in einer…verschiedene Klassen, die waren Religion…damit sie im Religionsunterricht dieselben Zeiten haben, waren alle jüdischen Schüler in einer Klasse. Und alle evangelischen…da waren nicht so viele evangelische…weil der katholische Unterricht war während der Schulzeit, der jüdische Unterricht war am Nachmittag. Haben wir Nachmittagsklasse gehabt. Der Rabbiner ist gekommen. Der Rektor, der Schuldirektor ist gekommen, hat inspiziert. Es war sehr…I mean, they had to do it…Religionsunterricht, you had to take it und man konnte nicht nicht nehmen. Konfessionslos gab es nicht, man musste Unterricht haben. So, eigentlich haben wir ganz gut…in der Klasse war nie irgendein…wir sind nicht zusammengesessen oder so, war gar nichts bemerkbar. Nach dem Umsturz…das heißt, that was the first shock I got, really, I should say that. Der Hitler hat, wie er eingezogen ist…wir haben nicht gewusst, was los ist…dann hat meine Nachbarin angerufen, gesagt, die Schule ist geschlossen. Wir wussten, dass sie einmarschiert sind, wir wussten nicht genau die details. Und am nächsten Tag, da haben wir schon gewusst, am Abend, that is it, the Nazis are here, and Schuschnigg ist geflohen, oder weiß nicht was.

 

Am nächsten Tag sind wir, wie gewöhnlich, in die Schule gegangen, and that was something. Am nächsten Tag war auch keine Schule. Und dann sind wir in die Schule gegangen, man hat uns nichts gesagt, und wie wir die Klassentür aufgemacht haben, sind wir so gegangen: Alle nichtjüdischen Schüler sind in allen ersten Bänken gesessen. And so, they only left the last three for us. And that was the really big shock I got, it was on the Tag nach dem ,Anschluss’. Because that is it, you sat in the back of the bus. We had to sit. Nicht nur dies, sie haben gelacht: „Haha, haha!" Und das waren Freundinnen…nicht Freundinnen, Schüler, denen ich mit Mathematik geholfen habe, mit denen wir die ganze Zeit zusammen waren. Vielleicht nicht intime Freunde, aber sehr freundlich. Nie irgendwas…dass sie sich irgendwie anders…zu sich selber gehalten hätten. Die waren so…vielleicht waren wir naiv oder ich war naiv, aber alle haben denselben Eindruck gehabt. Wir sind also gekommen: "Ah, let us see what is going to happen with the Nazis." Wir öffnen die Tür, alle sind…da waren immer so drei Reihen von Bänken. Alle drei Reihen in der front waren besetzt, alles war besetzt, und we had the last row…two rows they left, we had to go there.

 

 

3/00:50:31

 

 

I think that was the…that is when it set in, that hit me. That these…die waren wie…wunderbar organisiert. Wunderbar organisiert. Alles war vorbereitet. They knew exactly what they were doing, die haben das alles sehr gut vorbereitet und die wussten am Tag…wenn der Tag kam, wussten sie, was zu tun…das waren doch Kinder, Vierzehnjährige. Und die Professoren haben alles ignoriert. Nichts gesagt, nicht so, nicht das…nicht jenes. Nobody said anything. Und dann haben sie uns gleich gesagt, nach einer Woche or whatever…da mussten wir dann zur Ausstellung gehen. Da war eine Ausstellung, the Autobahnausstellung, da sind wir alle gegangen, das war noch…alles zusammen gemacht, und am nächsten Tag haben sie gesagt wir müssen weg und haben…sind wir in eine andere Schule gekommen, alle jüdischen Studenten sind in die Albertgasse gegangen. Ich glaube, das ist im achten Bezirk. Albertgymnasium, oder was weiß ich. Sind wir dort…das war eine jüdische Schule, da haben wir schon gar nichts gelernt. Waren überhaupt nicht serious. Es ist…die sind dann oft gekommen, haben Schüler verhaftet, but trotzdem, wir haben noch a lot of Spaß gehabt. It is interesting, it did not set in so much. It was very, wie soll ich sagen, localized. Im zweiten Bezirk war es schrecklich. Im neunten Bezirk…ich habe meinem Vater gesagt: „Ich sehe überhaupt nichts“, sagt er: „Du wirst schon sehen.“ Because you know, he heard what was going on, but I did not see it right away. […]

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Yokel (l.) mit ihren Geschwistern Robert und Johanna, Wien 1932.
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Yokel, 1938.
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Yokel mit ihren Eltern Karoline und Max Braun kurz nach deren Ankunft in den USA, Mai 1950.
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Yokel mit ihrem Mann Felix, Israel ca. 1950.
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Yokel mit ihrem Sohn Uri im Kibbuz Kfar Blum, Israel 1951.
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Yokel an ihrem 60. Geburtstag mit ihrem Sohn Uri, 1983.
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Yokel mit ihrem Mann Felix vor dem Denkmal für die jüdische Gemeinde in Laa an der Thaya; dieses Denkmal wurde von Yokels Sohn Uri gestaltet.
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Yokel (2. Reihe, 2. v. l.) im Kreis ihrer Familie zu Felix Yokels 80. Geburtstag, USA 2002.
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Yokel (vorne sitzend) bei einem Treffen mit Freundinnen und Freunden aus dem Kibbuz Kfar Blum, Israel 2004.
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Yokel im Kreis ihrer Familie am Grab ihres Mannes Felix Yokel, USA 2006.
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Grabstein von Yokel und ihrem Mann Felix mit der Inschrift "Children of Austria. Pioneers of Israel. Citizens of America.", USA 2006.
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Yokel, USA 2011.
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Pädagogik Anmerkungen: 
Würde ich empfehlen, Yokel erzählt spannend, z. B. ist das Thema Alijah sehr anschaulich und ausführlich im Interview vertreten.
Empfehlung für Pädagogik: 
ja
Glossarvorschläge: 
'Anschluss', Blau-Weiß, Jewish Agency for Israel, Hadassah (Henriette Szold), SS (Schutzstaffel), SA (Sturmabteilung), Alija(h), Kibbuz, Hagana, Palmach, Ariernachweis, Laubhüttenfest/Sukkot, Makkabi, Kultusgemeinde, Marcel Reich-Ranicki, Kurt Schuschnigg, Jecke